BUND Hamburg bestärkt NEIN zur Olympia-Bewerbung

Der BUND Hamburg hat seine Ablehnung gegen die geplante Bewerbung für die Ausrichtung olympischer und paralympischer Spiele erneut bekräftigt. Auch der NABU und Hamburg hat sich vor wenigen Tagen gegen die Olympia-Bewerbung ausgesprochen. Dieser Tage beginnt die Aussendung der Wahlunterlagen für das Referendum am 31. Mai 2026. Mit den Unterlagen werden auch die Briefwahlunterlagen enthalten sein. Dazu gehört ein Info-Beitrag auch von NOlympia-Hamburg, den die Aktiven mit fast 20.000 Unterschriften (10.000 wären erforderlich gewesen) durchgesetzt haben.
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Dokumentation PM BUND Hamburg, 21. April 2026.
Abstimmungsunterlagen im Briefkasten: BUND Hamburg ruft zur Ablehnung der Olympiabewerbung auf
Klimabilanz unklar, Umweltfolgen ungeklärt, Naturverlust nicht bewertet. Die Abstimmung findet statt, bevor wichtige Fakten zu Ökologie und Klimaschutz auf dem Tisch liegen
Anlässlich des Versands der Abstimmungsunterlagen über eine erneute Olympiabewerbung Hamburgs ruft der BUND dazu auf, am 31. Mai mit „Nein“ zu stimmen. Der Umweltverband warnt vor einer Entscheidung auf unvollständiger Datenbasis: Das vorliegende Konzept verschleiere zentrale ökologische Risiken, lasse wichtige Fragen zur notwendigen Sportinfrastruktur unbeantwortet und ersetze eine ehrliche Klimadebatte durch Hochglanzversprechen.
„Olympische Spiele sind in ihrer heutigen Form und Dimension unter den Bedingungen von Klimakrise, Artensterben und globalem Ressourcenverbrauch nicht zeitgemäß. Die Menschen in Hamburg sollen über ein Projekt abstimmen, dessen ökologische Folgen der Senat selbst noch nicht beziffert hat. Das wird der Tragweite dieser Entscheidung nicht gerecht“, erklärt Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg.
Das Sportstättenkonzept des Senats verweist auf ein Umweltscreening, das erst im weiteren Planungsprozess stattfinden solle. Von welchen Flächenzielen das Konzept ausgeht, ist bisher intransparent. Verbindliche Ziele für Natur- und Flächenschutz fehlen damit zum Zeitpunkt der Abstimmung. So sollen z.B. für das geplante neue Stadion in Altona neben bereits versiegelten Parkplatzflächen auch unversiegelte Flächen in Anspruch genommen werden. In welcher Größenordnung ist für die Öffentlichkeit nicht einsehbar.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat außerdem verbindlich festgelegt: Ab 2030 müssen Olympische Spiele dem Klima mehr nützen als schaden. Es reicht nicht, den verursachten CO₂-Ausstoß auszugleichen, die Spiele müssen unterm Strich sogar einen positiven Beitrag für das Klima leisten. Das Hamburger Konzept verspricht zwar zu 100 Prozent erneuerbare Energien und rückbaubare Tribünen; eine CO₂-Bilanz fehlt bisher. Weder liefert es bisher konkrete Emissions-Zielzahlen noch eine Methodik, wie Klima-Positivität erreicht werden soll.
Insbesondere der Flugverkehr wird in der Klimabilanz nach aktuellem Kenntnisstand nicht berücksichtigt werden. Obwohl Flugreisen bei Olympischen Spielen erfahrungsgemäß den weitaus größten Teil der Gesamtemissionen ausmachen, tauchen internationale Flugemissionen nicht in städtischen CO₂-Bilanzen auf. Eine Klimabilanz ohne Flugverkehr wäre Augenwischerei.
Das geplante neue Stadion im Volkspark sei laut Senat ohnehin notwendig. Es sei zu befürchten, dass es damit auch in der Klimabilanz für die Spiele fehlen werde, obwohl es als die Olympia-Hauptarena konzipiert werden soll.
„In Hamburg fehlt bisher die Debatte darüber, wie wir in einer Stadt, die bis 2040 klimaneutral sein möchte, künftig Großveranstaltungen ausrichten werden“, so Sommer. „Welche Maßnahmen zur Minimierung der Emissionen, zur Vermeidung von ökologischen Folgen wollen wir als Stadtgesellschaft ergreifen?“
Sommer erklärt: „Das vom Senat beworbene ‚Olympische Band‘, eine Vernetzung von Grün- und Freiflächen quer durch Hamburg, begrüßen wir ausdrücklich im Sinne einer besseren Biotopvernetzung für den Artenschutz und die Klimaanpassung der Stadt. Ein solches Grünes Band brauchen wir in der Stadt unabhängig von Olympia. Es ist falsch, eine stadtökologische Notwendigkeit an ein Megaevent zu knüpfen.“ Der Senat lasse bislang unbeantwortet, welche Maßnahmen zusätzlich zu bereits bestehenden Programmen für Stadtökologie geplant seien, welche finanziellen Mittel bereitstünden und wie die Flächen dauerhaft gepflegt und instandgehalten werden sollen.
Sommer betont: „Die Kritik am Olympia-Konzept ist keine Ablehnung von Sport. Sport muss zukunftsfähig sein. Das bedeutet stärker regionale, ressourcenschonende und klimaverträgliche Konzepte, die den gesellschaftlichen Nutzen in den Mittelpunkt stellen, ohne Umwelt und Klima zusätzlich zu belasten.“





