Studie Bundestag: Risiken und Nebenwirkungen – Mieten und Immobilienpreise steigen im Zusamenhang mit Olympischen Spielen

Studie Bundestag: Risiken und Nebenwirkungen – Mieten und Immobilienpreise steigen im Zusamenhang mit Olympischen Spielen

Welche Auswirkungen haben Olympische Spiele auf die Entwicklung der ohnehin steigenden Mietpreise? Darüber berichten die Linken Abgeordneten Stephan Jersch und Heike Sudmann als Herausgeber des Bürger*innen-Briefs mit Bezug auf eine Studie aus dem Bundestag. Luzian Massarrat, Referent bei Sudmann hat die Studie in einem Artikel zusammengefasst und ordnete die Aussagen ein. Auch die Mopo darüber und informiert: „Die Untersuchung wurde von der Hamburger Bundestagsabgeordneten Cansu Özdemir (Linke) in Auftrag gegeben. Sie basiert auf bestehenden Studien, die sich mit den Auswirkungen auf die Mietentwicklung in den austragenden Städten bei vergangenen Olympischen Spielen beschäftigt hatten.“ FAIRspielen.de dokumentiert den Artikel aus dem Bürger*innenbrief …

  • Mopo: Studie warnt: Olympia könnte Mieten in Hamburg steigen lassen.
  • Dort ist in einem zusammenfassenden Satz entscheidend: Wenn nichts getan wird, dann gilt: „Der Untersuchung zufolge zeigen die fünf Sommerspiele zwischen 2000 und 2016 (Sydney, Athen, Peking, London und Rio de Janeiro), dass die Immobilienpreise und Mieten von der Vergabe bis zu den Spielen selbst teils deutlich gestiegen seien.“ Und daher, so ist in der Mopo zu lesen: „Für hunderttausende Menschen könnte Olympia ein weiterer Baustein sein, sich das Leben in der Stadt noch weniger leisten zu können“, warnte Özdemir. Hamburg brauche keine weiteren Prestigeprojekte, die zulasten der Menschen gingen.“

Dokumentation:

Gutachten des Bundestags:
Olympische Spiele können Wohnen verteuern
Von Luzian Massarrat, Referent bei Heike Sudmann

Sind Olympische Spiele Mietentreiber? Mit dieser Frage hat sich der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages in einem Gutachten beschäftigt. Und das Ergebnis sollte Hamburger*innen zu denken geben. Untersucht wurde anhand zahlreicher bestehender Studien, in welchem Ausmaß die Austragung der Olympischen Spiele die Entwicklung von Miet- und Immobilienpreisen in den jeweiligen Gastgeberstädten seit 1972 beeinflusst hat. Einen zwingenden Zusammenhang zwischen Olympia und steigenden Mieten gibt es zwar nicht, das Gutachten zeigt aber deutlich, dass Olympische Spiele Wohnraum verteuern und soziale Ungleichheiten verschärfen können.

Während in nordamerikanischen Gastgeberstädten selten und nur geringe Preissteigerungen festgestellt wurden, litten alle
untersuchten europäischen Austragungsorte (München, Barcelona, Athen und London) unter Mietsteigerungen. Die Steigerungen waren teilweise drastisch (etwa in Barcelona). In einigen Städten unterschieden sie sich stark zwischen einzelnen Stadtteilen (wie in London). Grundsätzlich stiegen Miet- und Immobilienpreise insbesondere dann, wenn Investitionen in Infrastruktur und Stadtentwicklung Stadtteile aufwerteten.

Die jeweiligen Folgen hängen dabei immer von der konkreten Umsetzung ab. Werden durch die Spiele Infrastrukturprojekte vorangetrieben und Neubauten nachgenutzt, sind Mietsteigerungen wahrscheinlich. Wesentlich ist auch, ob ausreichende Maßnahmen zur Abfederung sozialer Folgen getroffen werden. Für Mieter*innen ist das Hamburger Olympia-Konzept also mit einem enormen Risiko verbunden.

Einerseits sollen mit Olympia auch große Infrastrukturprojekte beschleunigt werden, andererseits fehlt es vollständig
an Konzepten zur sozialen Abfederung. Der Senat verschließt vor diesen Risiken die Augen: Er geht nicht davon aus, dass
die Mietpreisentwicklung durch Olympia beeinflusst wird (siehe Drs. 23/3761). Im Infoheft zum Referendum erklärt er
den Abstimmenden gar: »Das Mietniveau soll durch Olympia nicht steigen.«

Dass es nicht steigen soll, ist klar. Damit es nicht steigen wird, bräuchte es zusätzliche Maßnahmen. Die sind aber nicht geplant, der Senat verweist lediglich auf die bestehenden Instrumente (Drs. 23/3761). Dass Drittelmix, Mietpreisbremse und Co. bei weitem nicht ausreichen, sehen wir bereits, denn in Hamburg herrscht Mieten-Notstand: Die Mieten werden ständig erhöht, eine neue Wohnung zu finden ist für viele Menschen fast unmöglich. Laut der aktuellen Ohmoor-Studie liegen die Angebotsmieten aktuell bei 15,88 Euro je Quadratmeter nettokalt. 25,9 Prozent aller Hamburger*innen leben in Wohnarmut (Paritätischer Gesamtverband, 2025)!

Olympia in Hamburg, so wie der Senat es plant, ist ein riskantes Pokerspiel mit schlechten Karten für die Stabilität unserer Mieten. Ein Spiel, das sich Mieter*innen nicht leisten können!

dirkseifert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

×