„Bin dafür“ – unter diesem schlichten Slogan konnten sich schon 2002 alle Hamburger/innen für Olympia in der Hansestadt aussprechen, indem sie ihren Namen auf einer Tafel im Rathaus hinterließen. Die damalige Bewerbung „Feuer und Flamme für Hamburg 2012“ scheiterte grandios, da Hamburg schon im Vorfeld gegenüber Leipzig ausschied. Die derzeitige Pro-Olympia-Kampagne, die den alten Slogan recycelt, kommt ein wenig moderner daher, ist aber vergleichbar inhaltsleer. So kann man im Januar für Olympia shopppen oder eine Miniaturfigur ins Olympia-Stadion in der Europapassage setzen, was irgendwie niedlich ist und auch niemandem weh tut. Die Hauptforderung, die (N)Olympia Hamburg von Anfang an gestellt hat: es muss Transparenz in Bezug auf die Kosten und die Risiken hergestellt werden, wird weiter sträflich vernachlässigt.
So gibt es nach wie vor keine Fakten darüber, was Olympia 2024 wirklich für die Hansestadt bedeuten würde, stattdessen viel Lärm um nichts. Wie wäre es, wenn man beispielsweise die Kosten einer Olympia-Ausrichtung, die unserer vorsichtigen Schätzung nach nicht unter 10 Milliarden Euro zu haben ist, wenn man bedenkt, dass allein der Umzug im Hafen schon 7 Milliarden verschlingen wird (- es gibt sogar Hinweise darauf, dass Kosten zwischen 15-18 Milliarden nicht unrealistisch sind -) anteilig auf jeden Bewohner umrechnen würde, um dann nach der Olympia-Begeisterung zu fragen? Wie viel… Geld, Stau, Emissionen, Sicherheitsvorkehrungen, Sozialkürzungen, Mietsteigerung, etc. ist Euch, liebe Hamburgerinnen und Hamburger, der Platz im Olympia-Stadion wert?
Eine echte Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Olympia gibt es weder in Berlin noch in Hamburg. Stattdessen werden Kritiker/innen formal zwar immer mal wieder mit einbezogen, aber inhaltlich nicht ernst genommen, wie dieses Zitat der Pro-Kampagne Spiele in Hamburg zeigt: „Es gibt neben den vielen positiven Stimmen auch berechtigte Kritiken. Über diese möchten wir mit Euch in nächster Zeit diskutieren, da diesen viele sehr gute Argumente entgegenstehen. Nicht alles ist zu entkräften, aber wenn wir nie mutig wären, würden wir heute noch in Höhlen leben…“
So, so. All diejenigen, die sich Gedanken machen über die enormen Risiken des Olympischen Spektakels, sind also hoffnungslose Höhlenbewohner/innen. Demgegenüber sind die Argumente, die die Pro-Initiative nennt, so dünn und apodiktisch, dass es einem die Worte verschlägt. Auf die Frage, wer denn von Olympia profitiert, antwortet Frederik Braun: „Ich bin davon überzeugt, dass wir alle davon profitieren. Wenn die Spiele nach Hamburg kommen und die Stadt im Fokus liegt, dann werden sich neue Firmen ansiedeln, bestehende Unternehmen werden sich herausputzen und der Tourismus wird wachsen und weitere Jobs anbieten.“
Wie wunderbar – der unerschütterliche Glaube an Markt & Tourismus wird’s schon richten. Und ein Trostpflaster gibt es auch schon für diejenigen, die mit steigenden Mieten rund um Olympia konfrontiert sein werden; Denn jeder kann während der Olympischen Spiele sein Zimmer an Besucher/innen untervermieten. Wow, wenn das nicht toll ist!
In dem Sinne verbleiben wir in unserer olympiakritischen Höhle und kriechen erst im nächsten Jahr wieder hervor. Unser frommer Wunsch für 2015? Fix alle Karten und Fakten rund um die Spiele auf den Tisch – und sonst nix.
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