
Berliner Senat lässt zensieren. Plakat-Motiv von „metronaut.de“ zur Olympia-Bewerbung von Berlin. Unter dem „zensiert“ war das aktuelle Olympia-Logo.
Satire darf das – wurde uns neulich eindrücklich von den Hütern der Freiheit gegen den Terror des Islamismus eingehämmert. Aber wir wissen natürlich auch: Alles hat seine Grenzen. Der Berliner Senat und eine Privatperson, hinter der vermutlich der Deutsche Olympische Sportbund steht, haben die Betreiber von metronaut.de zur Unterlassung aufgefordert. Dort waren – als Satire gekennzeichnete – Olympia-Werbe-Plakate veröffentlicht worden, die das aktuelle Olympia-Logo von Berlin vor dem Hintergrund von Bildern aus der NS-Zeit zeigten.
Die Reaktion auf die Zensur-Maßnahmen gegen metronaut ist hier auf deren Seite nachzulesen, dort sind auch die anwaltlichen Schreiben veröffentlicht. Die (zensierten) Plakat-Motive, die den Berliner Senat und diese Privatperson angreifen, sind beispielsweise hier zu finden.
Der Tagesspiegel berichtet: „Guten Morgen, besonders lustig oder originell war’s nicht, was metronaut.de da eingefallen war: Olympiasprecher Stefan Thies stellt neue Plakate mit Nazi-Motiven vor, Motto: „Offener Umgang mit der Vergangenheit.“ Natürlich ein Fake, zur Sicherheit stand klein „Satire“ dabei. Das alles wäre wohl nicht weiter aufgefallen. Aber als der DOSB den Link zur Seite an die Senatskanzlei mailte und fragte, was denn da los sei in Berlin, brach Hektik aus – Hausanwalt Christian Schertz wurde alarmiert und verschickte zwei Unterlassungen an den Mogul Medien Dienst, eine für Thies, eine fürs Land, Begründung: wahrheitswidrige Behauptung. Stimmt – aber soll ja schon mal vorkommen bei der Disziplin Satire.“
Update: Inzwischen schreibt die WELT: „Bei der Olympia-Bewerbung versteht Berlin keinen Spaß. Das bekam nun das Blog Metronaut zu spüren, das eine satirische Plakatreihe mit Nazi-Motiven veröffentlichte und dafür eine Abmahnung erhielt.“ Weiter heißt es dort u.a.: „Wie dünnhäutig die Befürworter der Berliner Spiele mittlerweile auf Kritik reagieren, zeigt nun eine Abmahnung an das Blog Metronaut. Dort wurde vor einigen Tagen eine Plakatreihe mit Motiven der letzten Olympischen Spiele 1936 in Berlin veröffentlicht. Die NS-Propaganda-Bilder waren mit dem aktuellen Kampagnen-Motto „Wir wollen die Spiele – Berlin für Olympia“ versehen. Dazu wurden auf dem Blog angebliche Aussagen von Stefan Thies, dem Sprecher der Olympia-Kampagne, zitiert. Unter anderem wurde ihm in den Mund gelegt: „Berlin war damals ein Magnet für Menschen überall auf der Welt – und gab der Sehnsucht nach Olympia einen realen Ort.“ Metronaut kennzeichnete den Artikel pflichtgemäß als Satire.“
Leider finde ich grad die Quelle nicht mehr, aber – wenn ich richtig erinnere – vor rund einem halben Jahr gab es in Berlin eine offizielle Präsentation für die Olympia-Bewerbung. Dort wurde von einem der Akteure – ich meine, es war ein Sportler – ein direkter Vergleich zu der „guten Stimmung“ bei den Olympischen Spielen 1936 gezogen (er berichtete irgendwas von seinem Vater, meine ich, der dabei gewesen war). Das war natürlich vielen der Beteiligten mehr als peinlich … Vielleicht kann sich noch jemand der LeserInnen erinnern und die Quelle mitteilen? Unten als Kommentar?
Update: Ein Leser hat uns die Quelle genannt, an die ich mich nicht mehr erinnern konnte: Die taz berichtete im November 2014 „Prominente unterstützen fortan Berlins Olympia-Bewerbung. Auch Spitzenkoch Tim Raue: Er schwärmt vom Spirit von 1936.“ Und berichtet: „Dann steht auch der Sternekoch Tim Raue am Mikrofon und berichtet, dass ihm sein Opa begeistert von den Olympischen Spielen erzählt habe, von „Dingen, die man sich nicht vorstellen kann“, die „bahnbrechend“ waren. Raue ist 40, meint er etwa die Spiele von 1936? Ja, bestätigt er. Nur: Wie kann man denn so von den Spielen aus der Nazi-Zeit reden, angesichts etwa des Ausschlusses jüdischer Sportler aus dem deutschen Team? Gretel Bergmann zum Beispiel, damals weltbeste Hochspringerin, wurde so um Olympia-Gold gebracht. „Davon habe ich keine Ahnung, ich bin kein politischer Mensch, ich bin Koch“, antwortet Raue darauf.“
Es war der Opa vom Koch: http://www.taz.de/!150233/
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