Linksfraktion kritisiert Olympia-Zahlen des Senats: Sicherheitskosten fehlen, der Gewinn ist in Wahrheit ein Verlust

Der Hamburger Senat hat erste Zahlen zu den Kosten Olympischer und Paralympischer Spiele in Hamburg vorgelegt. Ob das als „Konzept“ anzusehen, darf hinterfragt werden. Hamburg bewirbt sich in Konkurrenz zu München, Berlin und NRW für Olympische Spiele in den Jahren 2026, 2040 oder 2044. Während in München ein Bürgerentscheid bereits erfolgt ist und sich eine Mehrheit für die dortige Bewerbung ausgesprochen hat, werden in NRW und in Kiel (für die Segelwettbewerbe) Bürgerabstimmungen bis Mitte April folgen. Hamburg stimmt Ende Mai ab. Die jetzt vorgelegten Zahlen zu den Kosten hatte NOlympia-Hamburg bereits kritisiert und von „Nebelkerzen statt seriöser Berechnung“ gesprochen. Auch die Hamburger Linksfraktion bemängelt die Zahlen des Senats deutlich und merkt außerdem an: Die gesamten Kosten für die Sicherheit der Spiele bleiben außen vor. In Paris betrugen diese Kosten etwa 1,4 Mrd. Die PM der Linksfraktion ist unten als Dokumentation.
- Hier eine Auswahl von Medienberichten: Das Hamburger Abendblatt berichtet zu den Zahlen des Senats hier, der NDR hier und Sport1 hier.
- Hamburg: Finanzierungskonzept für Olympia: Nebelkerzen statt seriöser Berechnung
Der Hamburger Senat hat diese PM veröffentlicht: „Hamburg legt Finanzkonzept für Olympische und Paralympische Spiele vor“ Außerdem ist hier zu dem vermeintlichen Finanzkonzept die Finanzbehörde mit einer weiteren PM online. Bislang werden die Finanzdaten alle nur in einer Gesamtdarstellung des Senats zusammengefasst. Einzelne Gutachten oder Stellungnahmen, die sich überprüfen lassen, liegen bislang nicht. Wörtlich heißt es: „Der Senat hat gemeinsam mit externen Finanzgutachtern und Experten das finanzielle Rahmenkonzept für die Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele vorgestellt. Die sorgfältige Kalkulation zeigt … “ Noch im März will der Senat laut eigenen Mitteilungen genaueres zu den Kosten Olympischer Spiele in Hamburg vorlegen, vermutlich in der nächsten Woche.
Weiter wird in der PM der Finanzbehörde ausgeführt: „Zur Methodik: Seriöse, transparente und sorgfältig kalkulierte Finanzierung. Die Hamburger Berechnungen folgen der standardisierten Budgetsystematik des IOC, die eine transparente Vergleichbarkeit aller vorgelegten Finanzkonzepte der Deutschen Bewerberregionen ermöglicht. Der DOSB hat mit Hilfe eines externen Experten (Dr. Christian Alfs) das indikative Durchführungsbudget (GOB) für Hamburg erstellt und von der unabhängigen Agentur Boston Consulting prüfen lassen. Zunächst wurde ein auf das Jahr 2025 angepasstes Benchmark-basiertes, inflationsbereinigtes Durchführungsbudget als Grundlage der weiteren Betrachtung erstellt, dieses an Deutschland angepasst (u. a. Preisniveaus, Distanzen, etc.) und dann standortspezifische und konzeptbasierte Durchführungsbudgets für die Bewerberregionen und -städte erstellt. Den Berechnungen des DOSB lagen Werte und Zahlen zurückliegender (London 2012 und Paris 2024) sowie künftiger Olympischer und Paralympischer Spiele (Los Angeles 2028 und Brisbane 2032) zugrunde. Um eine einheitliche und zwischen den sich bewerbenden Gebietskörperschaften (Berlin, Hamburg, Köln Rhein-Ruhr, München) vergleichbare Herangehensweise zu garantieren, hat der DOSB auf Grundlage der ersten eingereichten Bewerbungs- und Konzept-Unterlagen im September 2025 eine erste Bewertung und Einschätzung der mit der Durchführung der Spiele verbundenen Kosten und Erlöse für jede Bewerberregion individuell durchgeführt.
Hamburg hat diese Zahlen wiederum ein weiteres Mal intensiv auch anhand eigener Kostenberechnungen und mit Hilfe eines externen Dienstleisters (Drees & Sommer) überprüft. Insbesondere wurde der Kostenpunkt „Venue Infrastructure“ (d. h. Planung, Gestaltung, Umsetzung und die Verwaltung aller Wettkampfstätten und zugehörigen Einrichtungen vor Ort) aufwendig durch aktuelle Berechnungen externer Experten, städtischer Fachbehörden sowie durch Fortschreibungen der sehr validen Daten aus früheren Berechnungen durch das Olympia-Vorprojekt ermittelt. Im Ergebnis ergeben sich nahezu identische Zahlen zwischen den Hamburger Berechnungen und denen des DOSB.“
Dokumentation PM der Linksfraktion Hamburg: Olympia-Finanzkonzept: Sicherheitskosten fehlen, der Gewinn ist in Wahrheit ein Verlust
Der Senat stellte heute das Finanzkonzept für Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg vor. Im sog. Durchführungsbudget gibt der Senat Ausgaben von 4,8 Mrd. Euro und Einnahmen von 4,9 Mrd. Euro an. Allerdings enthalten die Einnahmen auch einen Zuschuss von 200 Mio. Euro des Bundes. Ohne diese Steuergelder gibt es also keinen Gewinn, sondern ein Minus von 100 Mio. Euro. Noch nicht abschätzen kann oder mag der Senat die Kosten für öffentliche Dienstleistungen, insbesondere für Sicherheit im öffentlichen Raum – in Paris waren dies 1,4 Mrd. Euro.
Dazu David Stoop, Co-Vorsitzender und haushaltspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Beim Schönrechnen hat sich der Senat schon mal eine Goldmedaille erkämpft. Der behauptete Gewinn im Durchführungskonzept ist in Wahrheit ein Verlust von 100 Mio. Euro, weil er nur mit 200 Millionen Euro Förderung des Bundes zustande käme. Hinzu kommt: Der gesamte Kostenstand bezieht sich auf das Jahr 2025. Es gibt keine inflationsbereinigte Kostenrechnung für 2040 oder 2044. Die zu erwartenden Kostensteigerungen in den nächsten Jahrzehnten lassen sich weder mit 15 Prozent für Unvorhergesehenes noch mit 35 Prozent bei den Baukosten auffangen. Unverantwortlich ist, dass der Senat die öffentlichen Ausgaben für Logistik und Sicherheit überhaupt nicht in seine Kalkulation einbezieht. Das ist aber der entscheidende Kostenfaktor. An anderer Stelle des Konzepts wird stets Paris als ‚Benchmark‘ herangezogen. Die Ausgaben allein für Sicherheit betrugen dort 1,4 Mrd. Euro.“
Dazu Martin Wolter, sportpolitischer Sprecher der Linksfraktion: „Für den Bau neuer Sportstätten muss eine Bedarfsanalyse beim IOC vorgelegt werden. Da es diese für das geplante Leichtathletikstadion nicht gibt, sagt der Senat einfach: ‚Dieses Stadion bauen wir auch ohne Olympia‘. Dieser Finanztrick ist notwendig, denn das Vorbild, das Madrider Bernabeu-Stadion, kostete ganze 1,4 Milliarden Euro und der Rückbau des Londoner Olympiastadions von einer Leichtathletikarena zu einem Fußballstadion verschlang über 370 Millionen Euro. Wir erwarten vom Senat, dass er die Bürger*innen über die tatsächlichen Kosten Olympischer und Paralympischer Spiele informiert und nicht mit Nebelkerzen um sich wirft. Olympische Spiele gehören zu den finanziell riskantesten Megaprojekten: Die renommierte Oxford-Studie hat berechnet, dass seit 1960 keine Ausrichterstadt ihr Budget eingehalten hat! Die Linke steht für ein Hamburg, das in Bildung, Soziales, Klimaschutz, Kultur, Inklusion und gute Arbeit investiert und nicht in ein weiteres kostspieliges Hochrisiko-Prestigeprojekt.“




