NOlympia Hamburg kritisiert Senatspläne für teuren Stadion-Neubau

Für die Olympia-Bewerbung 2036, 2040 und 2044 benötigt Hamburg unbedingt ein Olympia-Stadion und sucht dafür dringend notwendige Argumente. Obwohl das HSV-Stadion laut eigener Aussagen des Vereins bis mindestens 2051 funktioniert, braucht es für einen Olympia-Neubau als Herzstück einer Olympia-Bewerbung entsprechend gewichtige Argumente, um vermutlich deutlich über eine Milliarde Euro mit meist öffentlichen Geldern zu investieren. NOlympia-Hamburg kritisiert – auch auf Basis von Antworten auf Schriftliche Kleine Anfragen der Linksfraktion – das Vorgehen des rot-grünen Senats. Eine Bedarfsanalyse fehlt trotz der enormen Kosten komplett, so die Kritiker*innen.
FAIRspielen hatte zum Thema u.a. berichtet:
- Ist in Hamburg ein neues Olympia-Stadion sowieso notwendig? HSV: Nach Modernisierungsarbeiten Nutzungdauer des Volksparkstadion bis 2051 geschätzt
- Hamburgs Olympische Neubauten – Volksparkstadion und neue Multifunktionsarena in Hamburg
- Neubau eines Olympia-Stadions in Hamburg
Schriftliche Kleine Anfrage von Martin Wolter und Linksfraktion:
- Neue Multifunktionsarena in Hamburg – 23/2423 Schriftliche Kleine Anfrage vom 11.12.2025
Martin Wolter (Die Linke)
- Volksparkstadion und neue Multifunktionsarena in Hamburg, 23/2178 Schriftliche Kleine Anfrage vom 20.11.2025
Martin Wolter (Die Linke)
Dokumentation PM von NOlympia-Hamburg.de
Hamburg, den 29. Dezember 2025
Neues Stadion für Olympia: Senat verzichtet auf Bedarfsanalyse
Der Senat plant eine Mehrzweckarena nach dem Vorbild des 1,75 Milliarden Euro teuren1 Bernabéu-Stadions2 in Madrid – verzichtet aber auf eine empirische Bedarfsanalyse, die beantworten könnte, ob Hamburg ein solches Stadion überhaupt braucht. Das ergibt eine Anfrage der Linksfraktion (Drs. 23/2423). Das ist insofern beachtlich, als bis Mai 2025 von der Notwendigkeit einer neuen Arena keine Rede war. Sportsenator Andy Grote präsentierte den Plan bei der Vorstellung des Konzepts für die Hamburger Olympiabewerbung. Vorher waren Pläne verworfen worden, ein temporäres Olympiastadion auf dem Heiligengeistfeld zu errichten, weil das Gelände zu klein dafür wäre. Die Arena soll während der Olympischen Spiele als Leichtathletikstadion dienen und anschließend, nach Ausbau zu einer Mehrzweckarena vom HSV genutzt werden. Darüber hinaus argumentiert der Senat, ein Neubau eröffne neue Möglichkeiten für Großkonzerte internationaler Stars.
NOlympia Hamburg hält diese Begründung für nicht belastbar. Sprecher Eckart Maudrich erklärt:
„Der Senat konstruiert einen Bedarf, den er nicht belegt. Für einen Neubau in diesen Dimensionen braucht es eine empirische, überprüfbare Bedarfsanalyse. Das Vorbild Bernabéu ist zudem eine eigenwillige Interpretation des Begriffs ‚hanseatisch-bodenständig‘: Mit Gesamtkosten von 1,76 Milliarden Euro bei anfangs geschätzten 500-575 Millionen fügt es sich allerdings nahtlos in den Erwartungshorizont für Hamburger Großprojekte und den historischen Kostenüberschreitungsrahmen Olympischer Sommerspiele ein.3 Die Olympiafinanzen werden es als ‚Sowieso-Investitionskosten‘ führen, da Hamburg die Arena vermeintlich sowieso bauen würde. Dem steht allerdings die Realität des ‚Sowieso-schon-da-Volksparkstadions‘ des HSVs gegenüber, dessen Laufzeit schon heute bis 2051 reicht4 – weit über den Bewerbungsendpunkt 2044 hinaus. Wer nicht unter Realitätsverlust leidet, weiß: Internationale Stars wie Taylor Swift, Bruce Springsteen, The Weekend oder Ed Sheeran treten hier regelmäßig auf. Der Senat spricht daher über Chancen, die längst Realität sind. Er spricht über neue Bedürfnisse, die er mit Unterlagen nicht belegen kann5 und reklamiert Investitionseffizienzen, für die er keine Kalkulation hat6. Kurzum: die Mehrzweckarena ist eine Leerzweckarena, die nur für die Olympiabewerbung erdacht wurde. Dass Olympische Spiele und Mehrzweckarenen in der Vorstadt keinen sportlichen Nutzen für den Sport in Schulen und Sportvereinen der Stadt auslösen ist wissenschaftlich geklärt7. Von allen Faktoren, die sportliche Aktivität beeinflussen, sind die Ausrichtung der Spiele der unwichtigste8.“
Für Rückfragen:
Kontakt: Eckart Maudrich, Pressesprecher NOlympia-Hamburg
E-Mail: presse@nolympia-hamburg.de
Weitere Informationen finden Sie auf : www.nolympia-hamburg.de und fairspielen.de
Über NOlympia Hamburg
NOlympia Hamburg hat sich anlässlich Hamburgs Olympiabewerbung 2015 formiert, um über Risiken und Nebenwirkungen von Spielen in Hamburg kritisch zu informieren. Mitte 2025 musste die Arbeit erneut aufgenommen werden, weil der Senat sich wieder massiv Steuermittel hat genehmigen lassen, um seine Wahrheit über alle Stimmen und Abstimmungsergebnisse hinweg durchzusetzen und dadurch eine ausgewogene Information akut gefährdet ist.
1 The Athletic: Real Madrids Bernabéu stadium renovation costs stand EUR 1.76bn.
3 Quelle: Budzier/Flyvberg: The Oxford Olympics Study 2024. Juli 2024.S9 u. 20
4 HSV Jahresabschluss 30.Juni 2024, S,8. Die Haftungsfragen für etwaige Falschinformationen im Lagebericht hat der HSV zu
verantworten.
5 BDrs. 23-02423: “Eine klassisch-empirische Bedarfsanalyse hat nicht stattgefunden.”
6 Weder in der Informationsfreiheitsanfrage dazu noch in der BDrs. 23-02423 konnte der Senat Kosten-/Nutzen Fragen für Sport, Kultur, Tourismus und Wirtschaft beantworten
7 The Guardian. London 2012, 10 years on.
8 Chen, S, Liang, X, Hu, X & Yan, X 2022, Assessing the long-term inspirational impact of sporting-mega-events on sport and physical activity participation: postevents’ evidence from the UK and China, S.24.





