Heilsversprechen Olympia: Hamburger Senat präsentiert bunte Wundertüte

Heilsversprechen Olympia: Hamburger Senat präsentiert bunte Wundertüte
Ohne Olympia wird Hamburg vermutlich untergehen. Mit Olympia aber wird unter allen Umständen alles gut: Anders kann es nicht sein, wenn man dem Hamburger Senat hört. Der rot-grüne Senat hat heute seine als Konzept bezeichneten Vorstellungen zu Olympischen Spielen in 2036, 2040 oder 2044 vorgestellt. Schon letzte Wochen waren ähnliche Rahmendaten bekannt geworden. Ende Mai wird das Referendum stattfinden und die Hamburger Bürger*innen abstimmen. Bis dahin wird der Senat mit vielen Millionen Euro Olympia weiter in den Himmel feiern. NOlympia-Hamburg reagiert mit einer PM, die hier dokumentiert wird. Auch die Linksfraktion hat sich heute zu den Senats-Vorstellungen geäußert.
PM Nolympia Hamburg: Heilsversprechen Olympia: Senat präsentiert bunte Wundertüte

Der Hamburger Senat hat heute ein detaillierteres Konzept für eine Olympiabewerbung für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 vorgestellt. Dabei wird Olympia als einzige Möglichkeit dargestellt, um notwendige Verkehrsprojekte in Hamburg zu verwirklichen. Zentrale Fragen wie die Finanzierung bleiben nebulös, von ökologischer Nachhaltigkeit bleiben Olympische Sommerspiele auch nach dem vorgelegten Konzept weit entfernt.

Dazu Eckart Maudrich, Pressesprecher von NOlympia Hamburg:

„Glaubt man dem Hamburger Senat, wäre Hamburg aufgeschmissen, wenn Olympia nicht kommt, weil Deutsche Bahn und Bundesregierung kein Geld für Projekte wie die U5, die S6 oder die Sanierung des Hauptbahnhofes zur Verfügung stellen würden. Diese Selbstverzwergung der zweitgrößten Metropole der Bundesrepublik steht im Widerspruch zum übertriebenen Selbstbewusstsein der Senatsmitglieder, was die Einhaltung der Kosten für Olympia betrifft – der Senat hat weiterhin keine Antworten auf offene Fragen wie zum Beispiel die Kosten der Sicherheit, die in Paris bei 1,7 Milliarden Euro lagen und im Hamburger Finanzkonzept einfach komplett offengelassen wurden. Oder den Bau einer Multifunktionsarena im Volkspark, die angeblich ganz unabhängig von Olympia genau so gebaut werden würde. In Städten wie Los Angeles, Mailand oder London haben Olympische Spiele zu steigenden Mieten beigetragen – anders als vom Senat behauptet, wird dieses Problem nicht durch Wohnungsbau im Olympischen Dorf gemindert – der in der Science City tatsächlich ganz unabhängig von Olympia entsteht. Der Senat verspricht Olympische Spiele ohne Olympic Lanes – extra Fahrspuren für IOC-Funktionär*innen, Sportler*innen und Journalist*innen. Dabei ist völlig offen, ob sich das IOC darauf einlassen würde – und wenn eine Stadt Austragungsort für Olympia wird, bestimmt das IOC die Regeln. Der Senat verspricht ökologische Nachhaltigkeit und klimapositive Olympische Spiele, zum Beispiel durch Wiederverwertung temporärer Tribünen und Sportstätten – ähnlich wie in Paris 2024, das dennoch auf eine katastrophale Klimabilanz von 2,1 Millionen Tonnen CO2  gekommen ist. Für den Hamburger Senat ist Olympia eine bunte Wundertüte. Ein Blick hinter die Fassade zeigt: Dahinter verbirgt sich wenig Substanz, aber massive finanzielle Risiken für die Hamburger*innen und für nachfolgende Generationen.“

PM Linksfraktion, Heike Sudmann und Martin Wolter: Olympia-Konzept Hamburg: Fehlstart mit Mogelpackung

Der Senat hat heute sein Konzept für die Bewerbung um Olympische Spiele in Hamburg vorgestellt. Mit Versprechungen, dadurch Großprojekte beschleunigen zu können, will er um Zustimmung beim Referendum werben. Dabei sollen die U5 und die Wohnungen der Science City auch nach den aktuellen Planungen schon vor 2040 fertig sein. Zur Planung und Finanzierung der zentralen Sportstätte, dem Olympiastadion im Volkspark, verliert der Senat hingegen nach wie vor kein Wort.

Martin Wolter, sportpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: “Der Senat will einen ‚Olympic Spirit‘ nach Hamburg holen und dafür zig Milliarden Euro ausgeben. Diesen Spirit würden die Menschen insbesondere in Form von Preis- und Mietsteigerungen, Verkehrschaos und Klimaschäden zu spüren bekommen. Doch die möglichen sozialen Folgen von Olympia werden vom Senat ignoriert und geleugnet. Die Hamburger*innen stimmen im Mai darüber ab, ob sie sich für ein paar Wochen Party jahrelangen Stress und eine Stadt im Ausnahmezustand wünschen. Und sie stimmen im Referendum darüber ab, ob dafür ein Milliarden-Betrag in der Elbe versenkt werden soll.“

Heike Sudmann, Co-Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion: „Olympia wird vom Senat als Wundermittel dargestellt, ohne das angeblich nichts geht. Das kennen wir von 2015. Da hieß es, der Kleine Grasbrook könne nur mit Olympia für Wohnungsbau genutzt werden. Doch dann ging es auch ohne. Der Senat präsentiert eine Mogelpackung nach der anderen, um die Hamburger*innen zu JA-Sager*innen zu machen. Aus Angst vor einer Ablehnung beim Referendum will der Senat die Hamburger*innen mit einer Million verbilligter Tickets Euro ködern. In Paris gab es diese Tickets zu rund 24 Euro nur für die wenig begehrten Wettkämpfe. Die normalen Eintrittspreise von mehreren hundert und auch tausend Euros werden sich die meisten Menschen in Hamburg nicht leisten können. Wir werden diese Mogelpackungen nachhaltig auseinandernehmen, damit die Hamburger*innen sicher sein können: ein NEIN zu Olympia macht die Stadt für alle lebenswerter.“

dirkseifert

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