Überdenkt DOSB Olympia-Bewerbung 2024? – Ein Schritt zur Vernunft?

SONY DSCAbendblatt und Handelsblatt melden mit Bezug auf entsprechende Äußerungen des DOSB -Vize-präsidenten Walter Schneeloch, dass es eine Diskussion gibt, keine Bewerbung für die Spiele 2024 auf den Weg zu bringen. Während eines Interviews grad beim NDR hieß es jedoch, der DOSB würde diese Meldung dementierten, die Äußerungen von Schneeloch wären vor der Veröffentlichung der gestrigen Umfrageergebnisse gemacht worden. Allerdings: Schneelochs Äußerungen geben erheblichen Sinn. Nicht nur, weil die Olympischen Spiele 2024 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ohnehin in den USA stattfinden werden. Sondern auch, weil der DOSB im besten eigenem Sinn das Desaster der Olympia-Bewerbung von München besser nicht ignorieren sollte.

„Die deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 ist trotz des wachsenden Zuspruchs in Berlin und Hamburg nicht sicher. „Es könnte sein, dass wir zu dem Schluss kommen, keine Bewerbung für die Spiele 2024 abzugeben, weil uns die Zustimmung vielleicht nicht hoch genug erscheint“, sagte Walter Schneeloch, Vizepräsident Breitensport des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), der Rheinischen Post (Mittwochausgabe)“, ist im Handelsblatt heute zu lesen.

Außerdem: „Schneeloch, eines von acht DOSB – Präsidiumsmitgliedern, die über die Empfehlung abstimmen, will nicht um jeden Preis in das Rennen um Olympia 2014 einsteigen. „Bevor wir auf die Nase fallen, könnten wir einer neuen Bewerbung etwas mehr Zeit geben“, sagte der 67-Jährige.“

  • Das laut NDR vorliegende Dementi ist noch nicht online. UPDATE: Siehe jetzt unten) Aber, erstens muss es oben 2024 heißen, nicht 2014 und tatächlich klingt es so, als sei das Statement ein paar Tage älter. Allerdings: Die Zahlen liegen dem DOSB bereits seit Donnerstag letzter Woche vor!
  • UPDATE: Die Dementis kommen nun: Die Augsburger Allgemeine mit „Vesper: DOSB hält an deutscher Olympia-Bewerbung fest“. Interessant auch dies hier zum Ablauf der DOSB-Entscheidung vom Walther Tröger, einem ehemaligen IOC-Mitglied.
  • Als Privatmann kommentiert Christopf Holstein (im normalen Leben Senatspressesprecher) einen Beitrag von Christian Schumacher auf Facebook so: „Wer sich auskennt, weiß: Der Zitierte tendierte stets für eine Bewerbung in Richtung 2028. Deshalb ist seine Stellungnahme wenig überraschend. Und der gewählte Zeitpunkt so nachvollziehbar, dass sich keine Form von Erregung lohnt. Locker bleiben.“

Wir haben hier gestern die Umfrage-Ergebnisse in der Weise bewertet, dass die Werte es dem DOSB eher schwerer als leichter machen dürften, zu einer Entscheidung zu kommen.

Denn auch den DOSB-Vorderen dürfte klar sein: Je konkreter in den nächsten Monaten Richtung Volksentscheid über die Belastungen und Risiken diskutiert wird, die mit den Spielen verbunden sind, desto schlechter dürften die Umfragewerte werden.  Und selbst wenn eine dünne Mehrheit am Ende für eine Bewerbung wäre: Die Konflikte wären vorprogrammiert.

Genau so ist es dem DOSB bei seinem letzten Versuch mit den Winterspielen in München ergangen. Dort waren die vorherigen Werte sogar etwas besser (65 Prozent). Das Ergebnis bei den dann in vier Landkreisen folgenden Volksentscheiden war verheerend für den DOSB. In allen Kreisen gab es satte Mehrheiten der BürgerInnen für das NEIN.

Süddeutsche: „Ein Nein aus einer Stadt hätte im Herbst 2013 schon gereicht, doch das Ergebnis fiel noch deutlicher aus: Bei den drei Bürgerentscheiden in München, Garmisch-Partenkirchen und Traunstein lehnten die Bewohner eine Bewerbung für Olympia 2022 ab. Die Spiele werden nicht nach Bayern kommen. Ist in Hamburg und Berlin die Zustimmung nun größer? Bislang wohl kaum. Denn in München haben sich in einer Stimmungsumfrage vor dem Bürgerentscheid sogar 65 Prozent der Befragten für Olympia ausgesprochen.“

In den letzten Monaten hat eine heftige Pro-Kampagne den Menschen erzählt, dass Olympia nur Vorteile und Chancen bringe. Von Risiken war da kaum die Rede.  Dabei ist dem Senat und anderen Beteiligten sehr klar, dass es noch heftige Auseinandersetzungen geben wird, wenn die Pläne konkreter werden und die Zahlen dazu bekannt.

Nichts könnte für den DOSB verheerender sein, als sich jetzt möglicherweise wegen der Zustimmungspunkte leichtfertig für Hamburg oder Berlin zu entscheiden und am Ende in den kommenden Volksentscheiden eine Niederlage einzufangen. Kommt es aber dazu, dann dürften sich viele der DOSB-Oberen besser nach einem Altersruhesitz umsehen und sich fragen, welchen Schaden sie da eigentlich angerichtet haben.

Lufholen, Druck rausnehmen, Nachdenken über Reformen und einen echten Neuanfang. Das wäre Konsequenzen, die sich aus dem München-Desaster bereits aufgedrängt haben. Stattdessen hat es kosmetische Reaktionen gegeben und der DOSB hat sich unter dem Druck von Wirtschaftsinteressen (z.B. Handelskammer Hamburg) und der absurden Logik des IOC in die nächste Bewerbung treiben lassen.

2024 werden die Spiele nicht in Hamburg oder Berlin, nicht in Deutschland und nicht in Europa stattfinden. Das ist allen, die jetzt für 2024 Werbung machen, im Grunde auch klar. Der Druck entsteht, weil wirtschaftliche Interessenten mit der MARKE OLYMPIA unterwegs sein wollen. Wer mit der Handelskammer ein wenig gründlicher spricht, bekommt das am Ende auch zu hören. Wenn es für 2024 nicht reicht, dann vielleicht 2028? Im Grunde auch egal, solange z.B. Hamburg als Bewerber-Stadt mit den Olympia-Insignien Werbung machen kann. Das reicht, damit die von der Handelskammer angestrebten neuen Investoren in die Stadt gelockt werden können. So ist das Kalkül der Wirtschaft. Mit Sport oder gar dem Olympischen Geist aber hat das absolut nichts zu tun.

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