Sport und Politik: FIFA-WM 2006 – „Schröders Strippenziehen mit dem Emir“

Morgenlektüre für einen optimistischen Blick auf die Welt: „Bei der Vergabe von Weltmeisterschaften und anderen Großereignissen bis hin zu den Olympischen Spielen wird mit allen Kräften und auf allen Ebenen politisch hart gedealt. Jeder Bewerber versucht, sich Vorteile zu verschaffen; nicht selten fließt Schmiergeld. Die Fifa ist seit langem von Korruption durchsetzt.“ Das lese ich in der Süddeutschen unter der Überschrift: „Schröders Strippenziehen mit dem Emir„.

  • Über die personellen Verflechtungen zwischen FIFA und IOC hat der Deutschlandfunk unter anderem hier berichtet. Insgesamt vier Namen werden dort genannt. Auch über über Korruptionsverdacht gibt es dort Angaben. Mitglied beim IOC ist auch Sepp Blatter selbst. „Er ist qua Amt als FIFA-Präsident Mitglied im IOC. Und das wird wohl bis zu seinem Rücktritt so bleiben“, schreibt der DLF. Vom IOC-Chef Bach ist zwar zu hören, dass sich die FIFA reformieren müsse (siehe auch hier). Eine Aufforderung an Blatter, sein Mandat beim IOC niederzulegen oder wenigstens ruhend zu stellen, ist mir nicht bekannt.

Der Artikel berichtet über die Verbindung zwischen Politik und Sport und von den Begleitumständen, wie es zur Vergabe der FIFA-Fußball-WM 2006 nach Deutschland kam. Und um einen Staatsbesuch von Hamad Bin Khalifa Al-Thani Ende Mai 1999 beim damaligen Kanzler Schröder. „Dabei hatte insbesondere Schröder Wichtiges zu bereden mit dem Monarchen vom Persischen Golf. Es ging um den Frieden in Nahost, vermutlich auch um Geschäfte für die deutsche Wirtschaft, was Schröder bei solchen Treffen stets ein Anliegen war. Und es ging um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Die sollte nach dem Willen des Kanzlers, der heimischen Fußball-Funktionäre und vieler Fans unbedingt in Deutschland stattfinden, zum zweiten Mal nach 1974.“

Ausführlich stellen die SZ-Autoren die Umstände und Hintergründe des Besuchs dar, beleuchten auch das Umfeld bei der Stimmenabgabe. Unter anderem heißt es dort weiter: „“Emir ist fußballbegeistert; hat großen Einfluss auf die Stimmabgabe“, notierte also das Kanzleramt zur Vorbereitung auf Schröders Gespräch mit dem Staatsgast am 28. Mai 1999. Der Regierungschef wusste, was zu tun war: Am Ende des Treffens mit dem Emir warb Schröder um „katarische Unterstützung für die deutsche WM-Bewerbung“ 2006. Der Emir habe sich „wohlwollend geäußert“, scheine aber auch „Sympathien für Südafrika als Austragungsort zu hegen“, hielt das Kanzleramt in einem Vermerk vom 1. Juni 1999 fest. Schröders Einsatz lohnte sich.“

Und die SZ stellt auch fest: „Für den Einsatz illegaler Mittel bei der deutschen WM-Bewerbung gibt es keine Hinweise. Auch Schröders Vorstoß beim Emir verstieß gegen kein Gesetz. Der Regierungschef wollte Gutes tun für sein Land. Aber man wüsste schon gerne, worüber bei dem Staatstreffen im Mai 1999 sonst noch gesprochen wurde. Deutsche Konzerne hatten kurz vor dem WM-Zuschlag große Geschäfte mit Thailand und Südkorea angekündigt oder besiegelt. In Thailand wie auch in Malta absolvierte der FC Bayern Anfang 2000 Freundschaftsspiele, bei denen nebenbei satte TV-Honorare für die Gastgeber flossen. Auch der Fifa-Mann aus Malta stimmte wohl für Deutschland.“

Ein Gedanke zu „Sport und Politik: FIFA-WM 2006 – „Schröders Strippenziehen mit dem Emir“

  1. Wo ist das Problem wenn ein Staatschef für Stimmen für den Zuschlag für ein Großereignis im eigenen Land wirbt? Kann die Kritik nicht verstehen…

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