Olympia: Voreilige Trophäen, wachsende Konflikte in Rio und das Doping

GeschenkideenDieses Olympia ist eine Flut von Themen und man weiß manchmal gar nicht, dass alles zu kommentieren, zu berichten oder wie auch immer. Irgendwie gibt es auch komische Gleichzeitigkeiten, wie die Meldungen bei einem aufschlagen. Z.B. heute: Da möchte man amüsiert den Kopf schütteln, wenn Olaf Scholz schon mal von Sport-Bild eine „Olympia-Trophäe“ für die Hamburg-Bewerbung überreicht bekommt. Und schon in der nächsten Mail steht ein Hinweis auf einen Artikel aus dem Tagesspiegel, der einen ganz anderen Blick auf die Wirklichkeit und Olympia bringt: „Ein Jahr vor Olympia – In Rio wird wieder geschossen“. Und wie kann man das anders ertragen als gedoped? Bei der Leichtathletik – wo es massive Vorwürfe gibt – reagieren laut Deutschlandfunk Offizielle mit dem Hinweis: „Das ist Hysterie“, also das mit den Drogen und dem Sport. Diese Welt ist einfach kurios.

Der (neue?) Infodienst „Hamburger Tagesjournal“ bringt es so rüber, was dem Scholz da schon mal vorab überreicht wurde: „Olympiatrophäe: Es wirkte ein bisschen wie der Nobelpreis für Barack Obama 2009. Noch nichts so wirklich erreicht, aber schon mal einen Preis verliehen bekommen. So muss es Olaf Scholz Montag Abend bei der Verleihung der Sport-Bild-Awards vorgekommen sein. Er durfte die „Olympia-Trophäe“ hochhalten. Den Sonderpreis gab es für die Begeisterung der Hamburger, die Olympischen Spiele 2024 haben zu wollen. Vor Bewerbung, Referendum und Vergabe eigentlich etwas früh zum feiern. Yogi Löw für irgendwie alles und Günter Netzer für das Lebenswerk durften sich auch über die begehrte Ehrung freuen.“ Ja, alles eben wichtige Leute und es geht auch um richtiges Geld.

Mit anderen Realitäten setzt sich Philipp Lichterbeck im Berliner Tagesspiegel auseinander. Er berichtet über die aktuellen Entwicklungen in den zahlreichen Armutsvierteln der nächsten Olympia-City: „Die Lage in Rio de Janeiro schien unter Kontrolle – doch ein Jahr vor den Olympischen Spielen kehrt die Gewalt zurück. Soziale Spannungen lassen sich nicht mit mehr Polizisten lösen“ heißt es dort im Vorspann. Lichterbeck beschreibt, wie sich die sozialen Spannungen in den letzten Monaten wieder zu offener Gewalt entwickelt haben, dass staatliche Politik in den Armutsvierteln auf massive Polizeipräsens setzt, aber keine sozialen Verbesserungen für die betroffenen Menschen dafür sorgen, die Konflikte langfristig zu entschärfen. Die sozialen Spannungen wachsen nicht nur ein Jahr vor den Olympischen Sommerspielen 2016, sondern auch ein Jahr nach der FIFA WM 2014.

Natürlich haben die Konflikte nicht vor allem mit Olympia zu tun. Aber es ist schon erschreckend, wie Olympia für die nächste polizeiliche Aufrüstung sorgt. „Die Besucher der Olympischen Spiele werden von den komplexen Sicherheitsproblemen Rios nur wenig mitbekommen. Sage und schreibe 85 000 Polizisten sollen für ihre Sicherheit sorgen. Das sind mehr als in Peking. Den ersten olympischen Rekord hat Rio damit schon“, heißt es im Tagesspiegel.

Auch der Deutschlandfunk berichtet über den Stand der Dinge, ein Jahr vor den Spielen in Rio. Da geht es um die sportlichen Dinge bzw. den Ausbau der Wettkampfstätten, aber auch um „Tonnen von Müll im Wasser“.

Und ebenfalls beim Deutschlandfunk wird über die massiven Doping-Vorwürfe in der Leichtathlektik berichtet – bzw. über die Reaktionen der offiziellen Verbandsvertreter. „Das ist Hysterie„, heißt es dort. „Die ARD-Dokumentation über mögliches Doping in der Leichtathletik schlägt weiter hohe Wellen. Einer aber bleibt zumindest nach außen hin gelassen: der Präsident des Internationalen Leichtathletikverbandes IAAF. Am Rande der IOC-Session hat er sich zu den Enthüllungen geäußert. Versäumnisse sieht er nicht“, berichtet Andrea Schültke und fährt fort: „Lamine Diack hat den Anti-Doping-Kampf des Leichtathletik-Weltverbands verteidigt. Zweieinhalb Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaften in Peking bezeichnete der IAAF-Präsident die Recherchen der ARD und der Sunday Times als „lächerlich“. „Jetzt zu behaupten, dass von 2001 bis 2012 dieser oder jener Athlet gedopt habe, das führt völlig in die Irre, das ist eine Hysterie.“

Die Recherchen sagen etwas anderes: Demnach sind etwa ein Drittel der Medaillen in den Ausdauerdisziplinen bei Leichtathletik-Großereignissen an möglicherweise gedopte Athleten gegangen. Und zwar in den Jahren zwischen  2001 und 2012.“ Der ganze gruselige Dreck vom sauberen Sport und seinen Funktionären gern bei DLF weiter lesen.

 

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