Olympia-Stätten im Hamburger Stadtdschungel

Der Senat hat seine Pläne vorgestellt und seine Antworten auf die Fragen des DOSB veröffentlicht; Wir ackern uns durch die Broschüre, bei der viele Fragen offen bleiben und auch bei der Interpretation, was z.B. ein Neubau ist und was nicht, gibt es Widersprüche. Heute widmen wir uns mal dem Thema Sportstätten. Das IOC fordert 35 olympische Sportstätten, sowie 30 Trainingsstätten, die von den Anforderungen weit über eine normale Breitensportfunktion hinaus gehen. Die Kosten für diese Sportstätten und -anlagen trägt jeweils die austragende Olympische Stadt.

Also: Für die Olympischen Spiele werden 35 SPORTSTÄTTEN benötigt. Nach Lesart der Stadt Hamburg müssten lediglich 5 neu gebaut werden:
– Olympiastadion (Kleiner Grasbrook)
– Olympiahalle (Kleiner Grasbrook)
– Olympiaschwimmhalle (Kleiner Grasbrook)
– 7er-Rugby-Stadion (Volkspark mit angedachter Nachnutzung als Amateurfußballstadion)
– Kanuslalom-Wildwasserstrecke (Wilhelmsburg mit Umbau als Freizeitanlage);

Genau unter diesen Fünf sind jedoch die Teuersten, die die Olympischen Sommerspiele zu bieten hat. Sydneys Olympia-Stadion hat 1 Milliarde gekostet und auch bei noch so guter Planung: für unter 300 Millionen ist so ein Mega-Stadion nicht zu haben.

Weiter geht’s. Für die Olympischen Spiele soll es 5 temporäre Bauten geben, die nur für die Spiele genutzt werden:
– Bogenschießen (Stadtpark)
– Moderner Fünfkampf (Stadtpark)
– BMX (Farmsen)
– Beachvolleyball (Entenwerder)
– Sportschießen (Garlstorf)

Hier sehen wir schon einen ersten Taschenspielertrick, denn diese temporären Bauten müssten ja auch erst mal gebaut und infrastrukturell angeschlossen werden:
(N)Olympia Hamburg zählt: 10 Neubauten
;

Weiter geht es mit den Stätten, die der Senat in seiner Antwort als „4 bestehende Infrastruktur, permanenten Baumaßnahmen erforderlich (und Olympic Overlay)“ betitelt.
– Springen (Alsterschwimmhalle)
– Wasserball (Wilhelmsburg)
– Springreiten/ Dressurreiten (Klein Flottbek)
– Bahnradsport (Stellingen)

Es wird hier nicht genauer ausgeführt, was die permanenten Baumaßnahmen wären, aber jede/r, der den Zugang zu den Reitanlagen in Klein Flottbek kennt, kann sich vorstellen, dass hier maßgebliche Eingriffe von Nöten wären, um dies auf Olympisches Niveau aufzupumpen; Und auch der Rückbau des Olympic Overlays wird kosten.
(N)Olympia Hamburg zählt 10 Neubauten, plus 4 Quasi-Neubauten, macht 14;

Die restlichen 16 Stätten müssten zum größten Teil noch auf olympischen Standard gebracht werden müssten, was in einigen Fällen sicher an die Kosten für einen Neubau rankommt; Der Senat nennt diese „16 bestehende Infrastruktur, keine permanenten Baumaßnahmen erforderlich“. 6 von den Stätten sind in den Messehallen, zwei im Volkspark (HSV-Stadion, O2-Arena), aber auch der Eißendorfer Forst ist genannt, wo Montainbike stattfinden soll; Hier müsste sich mal jemand dransetzen und die Auswirkungen auf Natur und Infrastruktur genauer prüfen;

Nun zu den LEERSTELLEN: Wovon in den Antworten des Senats nur sehr vage die Rede ist, sind die zusätzlich benötigten 30 TRAININGSSTÄTTEN. Auf Seite 47 werden alle Trainingsstätten im 30 Minuten Radius (Fahrzeit) um das Olympische Dorf aufgelistet. Auch hier ist völlig unklar, wie diese vor allen von der infrastrukturellen Anbindung her auf olympisches Niveau aufgepimpt werden sollen. Für jede dieser Stätten müsste nicht nur finanziell genau kalkuliert werden, was an Kosten (sozial, Lebensqualität in den betroffenen Vierteln, ökologische Folgen, Nachnutzung) bedeuten würde. (N)Olympia setzt sich dafür ein, dass es eine unabhängige Machbarkeitsstudie erstellt wird, die diese Kosten detailliert darlegt.

Wir bleiben am Thema dran und verweisen noch auf die Quelle für die oben verwendete Computeranimation. Die kommt, wie alle Bilder des Senats, von den Architekten Gerkan, Marg und Partner (Gmp), Büro Gärtner und Christ. gmp ist ein bekannter Player im Olympischen Zirkus. So haben sie für die FIFA-WM das höchst umstrittene Stadion in Manaus/Brasilien gebaut. Die Kosten? Eine Dreiviertel-Milliarde. Ein Stadion mitten im Dschungel, das niemand braucht und bei dem mehrere Arbeiter beim Bau ums Leben gekommen sind. gmp hat jede Verantwortung weit von sich gewiesen. „Wir schaffen nur Möglichkeiten. Über das, was bleibt, entscheiden die Brasilianer“, so gmp-Architekt Hubert Nienhoff.

Ein Gedanke zu „Olympia-Stätten im Hamburger Stadtdschungel

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