Olympia in Hamburg: Das Gegenteil von transparent

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Mit Transparenz und Bürgerbeteiligung ist das so eine Sache: Sie wird einerseits gern postuliert, andererseits sollen die Bürger/innen bitteschön den Regierenden nicht zu doll ins Werk fuschen. So zumindest läuft die Öffentlichkeitsarbeit des Hamburger Senats in Bezug auf Olympia. Es gibt die „Einladung“ an alle Hamburger/innen, sich an dem Fragenkatalog des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zu beteiligen und kreative Antworten zu schicken. Anstatt die Antworten der engagierten Bürger/innen direkt in einem Blog sichtbar zu machen, um so eine Diskussion überhaupt zu ermöglichen, gibt es nur eine Mailadresse für Vorschläge. So bleibt es ein Geheimnis des Senats, welche Ideen und Feedbacks dort eintrudeln.

Wer gleichzeitig auch noch detaillierte Informationen haben möchte, mit welchem Konzept sich die Stadt Hamburg für Olympia zu bewerben gedenkt, der ist auf die „Geheimpläne“ angewiesen, welche die BILD vor ein paar Wochen veröffentlicht hat. So sollen die Spiele auf dem Kleinen Grasbrook stattfinden und die Stadt will mit Olympia am Wasser punkten und auch weite Teile der alten Bewerbung von 2002 recyclen. Damals hatte der Senat eine umfangreiche Bewerbung „Feuer und Flamme für Hamburg“ eingereicht und flog damit bereits in der ersten Runde gegenüber Leipzig raus. Auch dieses umfassende Bewerbungskonzept ist nur in einer abgespeckten Marketing-Variante einsehbar.

Dies ist wohl nur ein erster Vorgeschmack auf die Transparenz und Bürgerbeteiligung, die dem SPD-Senat hier vorschweben. Dabei sollen die Bürger/innen bereits im nächsten Jahr zur Bürgerschaftswahl über Olympia „Ja“ oder „Nein“ abstimmen. Dass zu diesem Zeitpunkt (also noch vor der Abgabe der Bewerbung an das IOC, sowie vor der konkreten Ausgestaltung eines möglichen Host-City-Vertrags) noch gar nicht klar sein kann, worüber die Hamburger/innen abstimmen, scheint nicht weiter von Bedeutung.

Den Berliner/innen geht es auch nicht besser. So hat der Berliner Senat einen suggestiven Fragebogen den Bürger/innen gereicht. Vom Charakter her ist der so, wie wenn man jemanden fragt: Magst du denn auch gutes Wetter? So wird zum Beispiel abgefragt, wie wichtig den Berliner/innen Bescheidenheit und Transparenz sei und ob sie die Paralympics gut finden. Am Ende ist sich dann der Senat sicher: „Berlin ist bereit für Olympia“ – ganz egal, was die Bürger/innen dazu denken mögen…

Ein Gedanke zu „Olympia in Hamburg: Das Gegenteil von transparent

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