Olympia Hamburg wunderbar: Statt ökonomische Verwertbartkeit Revolution, Lust und Freunde an Bewegung

Juhuu: Geld spielt bei Olympia in Hamburg keine Rolle.

Juhuu: Geld spielt bei Olympia in Hamburg keine Rolle.

Olympische Spiele in Hamburg werden immer wunderbarer! Innen- und Sportsenator Neumann sieht darin „großartige Chancen“. Für die CDU-Fraktionsspitze ist es gar eine „Jahrhundertchance“. Und jetzt wird es „revolutionär“, jedenfalls wenn man dem Hamburger Abendblatt glauben schenken will, denn: „Hamburger Wirtschaftsprofessor Wolfgang Maennig präsentiert revolutionäre Ideen für eine Bewerbung. Die Olympischen Spiele würden die Hansestadt schneller fit für die nächsten 50 Jahre machen“ schreibt das Blatt in seiner Ausgabe am 6. Juni.

Olympische Spiele in Hamburg sollen mit Kohle-scheffeln künftig nichts zu tun haben, findet auch SPD-Senator Neumann in der gleichen Ausgabe: „Es mag ungewöhnlich klingen, dass bei einem Kongress, der sich den Titel „Sport und Stadtmarketing“ gibt, gleich der erste Redner die ökonomischen Aspekte des Sports kleinredet. „Ich habe Lust auf das Thema Olympia“, sagt Hamburgs Sportsenator Michael Neumann (SPD) in seinem Grußwort zum 14. Hamburger Symposium Sport, Ökonomie und Medien im Millerntor-Stadion des FC St.Pauli, „aber nicht, weil wir dadurch eine neue U-Bahn-Linie bauen könnten. Das haben wir ohnehin vor.“

Die Sportmarketing-Abteilungen dürften weltweit vor Begeisterung über diese Ansage von Neumman aus dem Häuschen sein! Cola, Sony, Visa und all die anderen bleiben zuhause oder besser: Nutzen die Spiele in Hamburg für ein lustvolles sportliches dreiwöchiges Intensiv-Training mitsamt allen Angestellten!

Statt brutale Geschäftemacherei, will Neumann einen „guten Geist“ und die „Freude an Bewegung“ und keine „ökonomische Verwertbarkeit“ des Sports. Ich kann nichts dafür, so steht es wirklich im Abendblatt. Er will Olympia in Hamburg,  „weil die Spiele einen guten Geist in die Stadt brächten und Hamburg noch schneller fit für die nächsten 50 Jahre machen würde.“ Beim Sport ständen für ihn „ehrliche Begeisterung und die Freude an Bewegung“ im Vordergrund und weit weniger die ökonomische Verwertbarkeit. Sport sei auch deshalb eine großartige Idee, weil es Werte vermittle und es nicht nur um Geld gehen dürfe.“

Na, dann darf man sicher gespannt sein, wie der gute Innen-Sport-Senator das neue total-nicht-kommerzielle Olympia-Konzept dem IOC und Sponsoren verklickern wird.

Nicht weiter stören lassen sollte man sich daran, dass Neumann noch jüngst anders im Abendblatt zitiert wurde. Im Mai berichtet die Zeitung noch: „Nach Abendblatt-Informationen sind in einem ersten Entwurf das Olympiastadion, die Schwimm- und Handballhalle, das Radstadion, das olympische Dorf für 16.000 Bewohner und der Olympiapark mit Public Viewing für bis zu 100.000 Menschen auf dem Kleinen Grasbrook südlich der HafenCity geplant. Dieser Vorschlag fußt auf dem Hamburger Bewerbungskonzept für 2012 mit Spielen am Wasser und in der City, das bis heute als international siegfähig gilt.“

Dann kommt Neumann und sagt, was man eben sagen muss: „“Ich sehe in der möglichen Bewerbung großartige Chancen für unsere Stadt, nicht nur sportlich, sondern vor allem auch stadtentwicklungspolitisch“, sagte Hamburgs Sportsenator Michael Neumann dem Abendblatt.“

Ähem, nun doch? Wo sind jetzt die Werte und die Freude an Bewegung? In jedem Fall ist Neunmann sich darüber im klaren, dass es nachhaltig sein muss, wenn statt Freude und Lust doch ein wenig wirtschaftliche Interessen eine Rollen spielen sollten: „“Eine solche Veranstaltung darf kein Strohfeuer sein. Eine Entscheidung für Olympia muss Investitionen in den Wohnungsbau, in die Verkehrs- und Sportinfrastruktur, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs auslösen. Das sind Investitionen, die Hamburg auch in den Jahrzehnten nach den Spielen nützen und die unsere Stadt zu einer wirklichen europäischen Metropole machen, die durch Lebensqualität und wirtschaftliche Stärke überzeugt, wie etwa durch Wissenschaft und Bildung.“

Und wo bleibt jetzt die Revolution? Die hat laut Abendblatt Wolfgang Maennig, Professor am Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg, im Gepäck: Der hält den „vom DOSB angeschobenen Prozess für nicht mehr zeitgemäß.“ Stattdessen fordert er in „seinem viel beachteten Vortrag, Olympia neu zu denken“. Keine neuen Spielstätten sind notwendig! Früher seien „die Spiele … in vorhandene bauliche Strukturen eingebettet worden. „Warum nutzt man heute nicht leer stehende Fabrikgebäude oder -hallen, warum könnten in Hamburg die Schwimmwettbewerbe nicht in ausrangierten Lastkähnen stattfinden“, fragt Maennig, 1988 Ruder-Olympiasieger im Achter. „Es ist Zeit für weniger und Zeit für anders.“ Man brauche keine Schwimmhalle für 18.000 Besucher, die, da für alle späteren Wettbewerbe überdimensioniert, hinterher keiner nutzt. Gigantismus sei von gestern, Nachhaltigkeit das Gebot der Stunde.“

Wunderbar! Früher war ohnehin alles viel besser und vielleicht kann man die Schwimm-Wettspiele ja auch aus der Alstersporthalle per Publik-Private-Viewing dann auf dem Rathausmarkt übertragen? Immerhin gibt es inzwischen 3D-TV und das ist doch irgendwie fast genauso gut, wie selbst dabei sein. Und auf den Rathausmarkt gehen ja weit mehr als 18.000 BesucherInnen drauf. Dann wäre das schon mal erledigt – nicht müsste neu gebaut werden!

Keine Frage, das hat bestimmt Chancen, denn Maennig sieht einen Hoffnungsträger, für derart revolutionäre Olympia-Ideen: „Auch das IOC ist unter seinem neuen Präsidenten Thomas Bach inzwischen auf dieser Fährte, weil Olympische Spiele ansonsten pluralistischen Gesellschaften nicht mehr zu vermitteln sind“, berichtet das Abendblatt.

Vielleicht schauen wir mal, in welchem Back-Packer-Hotel wir den Bach dann unterbringen?

 

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