Olympia, die Konzerne, Medien, Politik und das große Geschäft – Die Konflikte nach einem Ja beim Referendum gehen weiter

GeschenkideenDie Hamburger Medien und einige Marketingagenturen haben sich zusammen getan. Wirtschafts-Unternehmen sehen große Geschäfte, die Baubranche ist begeistert. Gemeinsam geben sie Millionen Euros dafür aus, damit die Botschaft jedeN erreicht: Olympia ist ein Wunder- und Zauberwerk für Hamburg: 100 Prozent Chancen – Null Risiken. Sogar der MoPo fällt auf, dass da getrickst werden könnte.

Sie geben Millionen für die Werbung aus und doch sinken die Zustimmungswerte. Von ehemals 64 Prozent Anfang des Jahres – als noch niemand so richtig was von Olympia und Hamburg mitbekommen hatte – auf jetzt nur noch irgendwas knapp über 50 Prozent. Die Nerven, so hört man von allen Seiten, liegen bei den Olympia-Verantwortlichen blank. Wenn das mal gut geht, mit dem Referendum.

Demgegenüber steht ein „NOlympia“, dass mit den Bordmitteln von Bürgerinitiativen, AktivistInnen in den Stadtteilen, ein paar Interviews und viel Social-Media arbeitet. Geld haben die keins, um die Risiken der Olympia-Bewerbung groß zu thematisieren. Das Referendum werden sie vielleicht verlieren, aber die Konflikte um die Olympia-Bewerbung werden damit noch lange nicht erledigt sein.

Das Dumme ist: Ein Nein beim Referendum klärt vieles. Ein (dünnes) Ja nur wenig. Das Problem: Das Referendum bindet den Senat und die Bürgerschaft, – nicht aber die BürgerInnen der Stadt. Und es sind allzuviele Fragen offen, viele Konkretisierungen fehlen noch. Das Recht der BürgerInnen ist es: Sie können sich beschweren, wenn sie sich betroffen fühlen. Das ist nicht identisch mit dem Zeitpunkt des Referendums. Da lohnt sich ein kleiner Blick auf Projekte Marke Stuttgart21!

Irgendwann wird sich vielleicht in den nächsten Monaten auch weiter rumsprechen, dass die schönen Bilder von der neuen Olympia-City nur virtuell sind. Das Olympia-Stadion wird – das weiß auch die SPD-Fraktion – vollständig abgerissen werden, weil es einfach absolut keinen Bedarf gibt. Die Schwimmhalle vermutlich ebenso. Und vielleicht ist der Kreuzfahrer-Hype dann auch schon längst Geschichte?

Doch das ist eigentlich nur am Rande wichtig. Denn klar ist ohnehin: Mit Sport haben die Interessen derjenigen, die die Olympischen Spiele in Hamburg maßgeblich fordern, so gut wie nichts zu tun. Wenn man es genau nimmt: Die Olympischen Spiele und das IOC sind deshalb so verkommen und stehen mit Betrug, Korruption und Doping in Verbindung, weil es genau die Geschäftsinteressen von Konzernen sind, die uns die Werte von „Spielen der Jugend verkaufen“ (!) wollen, um damit ihre Werbespots zu designen.

Die Konflikte um die Olympia-Bewerbung von Hamburg werden auch nach dem Referendum weiter gehen. Das liegt nicht nur daran, weil erst irgendwann im Frühjahr von der Bundesregierung in Sachen Finanzkonzept die Ansage kommen wird, ob sie Hamburgs Infrastruktur bezahlen will. Es liegt auch nicht nur daran, dass das IOC erst im Sommer 2017 die Entscheidung treffen wird, dass es Los Angeles oder Paris sein werden, denen die Spiele zugeschlagen werden. Nach einem Ja beim Referendum werden mit den weiteren Planungsschritten immer mehr HamburgerInnen damit konfrontiert, was diese Olympia-Bewerbung in ihrem Lebensumfeld und vor ihrer Haustür an ganz praktischen Folgen haben wird. Der Senat und die Bürgerschaft holen die Konflikte in die Stadt – sie werden sie ganz sicher bekommen. Da hilft auch kein Referendum, allemal nicht, wenn es so knapp ausgehen sollte, wie man jetzt vermuten muss.

Hamburgs große Politik sieht die Chance, Infrastrukturmaßnahmen mit Bundesmitteln finanzieren zu können. Der Senat, der Bürgermeister und die Bürgerschaft als selbst erklärter Wächter finden sich vorbildlich. Der Hamburger Rechnungshof ebenso wie das Bundesinnenministerium monieren: Da fehlt es noch an wichtigen Informationen. Dennoch läuft das Referendum. 1,2 Milliarden will Hamburg zahlen, keinen Cent mehr, versprechen Scholz, Neumann und Co. Sie wissen selbst, dass das Unsinn ist: Schon die Umsiedlung der Hafenbetriebe kostet Minimum 1,3 Milliarden – sagen sie selbst und genau deshalb staunt die MoPo (siehe oben). Und der Bund kann einfach gar nicht anders, als an der von Hamburg zugewiesenen Kostenverteilung noch mal deutlich zu rütteln. Das wissen Journalisten, die Senatoren und die Politik.

Und alle wissen: Hamburg hat die Kosten für die Sicherheit bei den Spielen unter 500 Mio Euro veranschlagt. Nicht erst seit den Anschlägen von Paris ist klar, dass das totaler Unsinn ist und das mindestens die Kosten von London die Richtschnurr sein werden. Mehr als eine Milliarde Euro fehlen im Hamburger Kostenmodel! Mindestens!

Sport-Inside (ARD und WDR) berichtet in Sachen Finanzen: „Die „dafür notwendigen Unterlagen aus der Hansestadt“ gingen im BMI „sukzessive ein; einige wichtige Informationen stehen noch aus“, teilte das Ministerium der WDR-Sporthintergrundsendung „sport inside“ auf Anfrage mit. Man sei an einem „zügigen Abschluss interessiert“. Auch der Deutschlandfunk weiß, die Finanzierung ist noch nicht gesichert. Die Züricher Zeitung spricht sogar von „Hamburger Unverschämtheit„, wenn es darum geht, Bundesgelder für die Infrastruktur in Hamburg umzulenken. Die Süddeutsche schreibt darüber, wie Hamburgs Medien die Olympia-Bewerbung fördern. Auch Olympia-Befürworter haben ernsthafte Probleme mit dem Umgang der „Stadt“ mit Bürgerbeteiligung und Referendum, gerade nach den Anschlägen von Paris und den offiziellen Reaktionen, wie der DLF in einem anderen Beitrag berichtet.

Derweil erzählt ein Bürgermeister vor dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag, dass der Freihandel und TTIP klasse sind, und: „Olympia ist eine Investition in die Zukunft.“ Die Frage wäre: Wer zahlt und was für eine Zukunft?

All das sind deutliche Anzeichen: Die Spaltung in dieser Stadt wird weiter zunehmen. Klar ist in jedem Fall: Hamburg würde – kämen die Spiele in diese Stadt – teurer! Und sei es nur, dass das Matjes-Brötchen dann 5,50 kostet (ohne Inflationsausgleich) und die erweiterte Hafen-City für viele Touristen und Zweit-Wohnungsbesitzer zwar schön zu schauen, aber nicht zum Leben ist!

Ach, und dann stelle ich mir grad noch vor, wie endlich 2025 die ersten Flüchtlinge in das Olympische Dorf einziehen.

2 Gedanken zu „Olympia, die Konzerne, Medien, Politik und das große Geschäft – Die Konflikte nach einem Ja beim Referendum gehen weiter

  1. Pingback: NOlympia-Presseschau für November 2015 » Nolympia

  2. „Das Olympia-Stadion wird – das weiß auch die SPD-Fraktion – vollständig abgerissen werden, weil es einfach absolut keinen Bedarf gibt. Die Schwimmhalle vermutlich ebenso. Und vielleicht ist der Kreuzfahrer-Hype dann auch schon längst Geschichte?“

    Sehr wahrscheinlich, ja – für das Olympiastadion, dabei wird ja so gerne von „Nachhaltigkeit“ gesprochen, gibt es ja immer noch kein Konzept (ausserhalb von Wünschen) wer denn nun dort trainieren soll, wer die Betriebskosten trägt, was das Stadion an dieser Stelle überhaupt soll. Dass es gar keinen Bedarf gibt, zeigt ja schon der Fakt, dass es sofort nach den Spielen wird abgerissen wird – man verwendet natürlich den Begriff „Rückbau“ weil der besser klingt. Bei einer letzten Olympia-Diskussionsrunde wusste selbst eine Sportlerin nicht, was man damit anfangen könnte, und empfahl, doch eine Wiese daraus zu machen. Nunja – Hauptsache „kosteneffizient“, „nachhaltig“, „ökologisch“ und „barrierefreiheit“ um danach von 800 Millionen Euro zu einer Wiese mit Luxuswohnungen zu werden.

    Bei der Schwimmhalle gab es gar keine Bedarfsermittlung. Sie wird – für 300 Millionen Euro, eine reguläre Schwimmhalle kostet 20 Millionen – gebaut, ohne zu wissen ob sich diese in der OlympicCity rechnet, dort gebraucht wird, genügend Nutzer anzieht. Behauptete, aber nicht nachgewiesene Nachhaltigkeit. In der Stadt fehlt dann das Geld für eine Schwimmhalle.

    Da die gebaute Sporthalle von Vorhinein nicht nachgenutzt wird – obwohl behauptet wird, es bestehe eine Nachnutzung in Form des Kreuzfahrtterminals –, sondern an ihrer Stelle für den Neupreis der bestehenden Kreuzfahrtterminals in Steinwerder (zusätzlich zu den Baukosten der Sporthalle) ein Anleger gebaut wird, ist es nichtmal wichtig ob diese dort gebraucht wird. Die Sporthalle, und um die geht es ja, findet keine Nachnutzung – obwohl im Konzept behauptet wird, dass man von den Sportstätten auch nach den Spielen profitiert, und „alles nachgenutzt wird“. Man baut eine teure Sporthalle und man baut ein Kreuzfahrtterminal (ersteres zu enormen Kosten, zweites zu regulären Kosten). Am Ende behält man nur das Kreuzfahrtterminal, bezahlt hat man fürs Terminal und für eine Sporthalle in Luxusausfertigung.

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