Olympia Bewerbung Hamburg – IOC ändert Bewerbungsregeln – Referendum verschieben!

olympia-kugelschreiberDer Zeitdruck für das von Senat und Bürgerschaft bereits im November geplante Olympia-Referendum ist raus. Mit enormen Tempo und ohne dass bis dahin belastbare Daten vorliegen werden, hatten beide Gremien den Termin festgelegt, um vor der bislang im Januar vorgesehen Bewerbung beim IOC freie Hand zu haben. Nun hat das IOC seine Spielregeln geändert. Das Mini-Bid-Book muss nicht mehr im Januar vorgelegt werden. Außerdem hat das IOC die bisherige Trennung vom Bewerber- zum Kandidaten-Status abgeschafft. Bereits mit der formalen Bewerbung Mitte nächster Woche wird Hamburg den Status als Kandidat erhalten. Damit könnte Hamburg ohne jedes Bewerbungs-Problem vernünftig planen und auf solider Grundlage eine Olympia-Befragung auch zu einem späteren Zeitpunkt durchführen. Das Referendum sollte nach den Warnungen durch den Rechnungshof also verschoben werden.

Diese Änderungen des IOC-Bewerbungsprozedere eröffnen nun Möglichkeiten, den enormen Zeitdruck, unter dem auch die Behörden-MitarbeiterInnen zusätzlich zu den Anforderungen durch die vielen Aufgaben durch die große  Zahl von Flüchtlingen derzeit zu leiden haben, deutlich abmildern. Dazu braucht es jetzt nur eine Maßnahme der Vernunft, nämlich das Referendum z.B. bis in die zweite Hälfte 2016 zu verschieben.

Nach den neuen Regeln erhält Hamburg den von der Wirtschaft und den Marketingagenturen so sehnlich herbei gewünschten Status als Bewerber-Stadt breits in der nächsten Woche, wenn die formale Bewerbung beim IOC eingereicht wird. Ein Mini-Bid-Book ist demnach nicht mehr erforderlich und braucht daher auch nicht mehr am 8.1.2016 eingereicht werden. Vor allem aus diesem Grund sollte das Referendum unbedingt noch vorher stattfinden.

Auch ein Maxi-Bid-Book ist nach dem neuen Verfahren nicht mehr erforderlich. Dies wäre nach dem alten Plan für Januar 2017 fällig gewesen. Der neue Ablauf  besteht nun aus drei veränderten Bausteinen, die zwischen 2016 und bis zur IOC-Entscheidung im Sommer 2017 vorgelegt werden müssen: Stage 1 (Vision, Concept, Legacy), Stage 2 (Gobernance, Legal, Venue Funding) mit der vollen finanziellen Garantie für das IOC, Stage 3 (Durchführung der Spiele). (Siehe hier: Candidature Process, PDF)

Soweit zu hören ist, hat der Senat bereits damit begonnen, die Verträge mit den zahlreichen Gutachtern auch entsprechend den neuen Regeln anzupassen.

Es wäre nun also eine gute Gelegenheit für Senat und Bürgerschaft, den unglaublichen Druck aus dem Verfahren zu nehmen und damit auch der von vielen Seiten vorgetragenen Kritik gegen den Zeitpunkt des bislang im November geplanten Referendums angesichts nur wenig belastbarer Planungen und Kostenabschätzungen raus zu nehmen. Nicht zuletzt der Rechnungshof hatte in einer vorzeitig bekannt gewordenen Stellungnahme darauf hingewiesen, dass der Senat diverse Rechtsvorschriften und Prüfungen für gute Planung nicht rechtzeitig vor dem geplanten Wahltermin fertigstellen könnte und das Referendum daher auf wenig aussagekräftigen Aussagen beruhen würde, wenn am Durchführungstermin festgehalten würde.

8 Gedanken zu „Olympia Bewerbung Hamburg – IOC ändert Bewerbungsregeln – Referendum verschieben!

  1. Mein lieber Dirk Seifert,
    wie stehst du eigentlich zu den krawalligen Nolympia-Protesten wie sie gestern zum Abschluss des Schanzenfestes vorgekommen sind?
    Gruß
    Auch Dirk

  2. Woher die Information, dass es kein Mini Bid Book mehr bedarf? Ist in meinen Augen schlichtweg falsch, siehe hier in einem Artikel aus der LETZEN WOCHE (31.08.) bzw weiter unten vom DOSB:

    http://m.abendblatt.de/vermischtes/journal/thema/article205623177/Das-ist-Hamburgs-Olympia-Fahrplan-bis-Sommer-2017.html

    http://www.dosb.de/de/olympia/olympische-news/detail/news/ioc_veroeffentlicht_zeitplan_fuer_olympia_bewerbung_2024/

    Freue mich über Aufklärung!

  3. Pingback: NOlympia-Presseschau für September 2015 » Nolympia

  4. Der zuständige Staatsrat Christoph Holstein hat in der Bürgerschafts-Sportausschuss-Sitzung am 27.8.2015 erklärt: „Es hat durch das IOC eine Veränderung des laufenden Bewerbungsverfahrens gegeben. In der Drucksache heißt es…zum Beispiel am 8. Januar 2016 das Mini Bid Book vorlegen. Das hat sich geändert. Wir haben jetzt kein zweistufiges Verfahren mehr mit dem Mini Bid Book und dem Bid Book, sondern ein dreistufiges, was sich für uns im operativen Geschäft eigentlich kaum auswirkt. Wir werden dieselben Informationen liefern müssen, allerdings in einem anderen Rhythmus. Wir haben also nicht im Januar nächsten Jahres das Mini Bid Book, sondern im Februar nächsten Jahres, konkret am 5. Februar 2016, die Abgabe des sogenannten „Candidature File Part 1“…. Da geht es um die Gesamtvision. Es geht um das gesamte Konzept. Es geht um die Sportstättenplanung, um langfristige Integration, Abstimmung Olympiapläne mit der Stadt beziehungsweise der städtischen Entwicklungsstrategien. Es wird dann einen zweiten File geben am 7. Oktober nächsten Jahres: „Candidature File Part 2“, Führungsstruktur, Rechtliches und Sportstättenfinanzierung. Und last not least am 3. Februar des übernächsten Jahres, die Abgabe des „Candidature File Part 3“, Durchführung der Spiele, Erfahrung und Nachnutzung der Sportstätten.
    Woran sich nichts geändert hat, ist der am Ende entscheidende Termin im Sommer 2017 in Lima, wo auf Basis der dann eingereichten Unterlagen und auf Basis der Evaluation beziehungsweise Überprüfung des IOC entschieden wird, wer den Zuschlag für die Ausrichtung der Spiele 2024 erhalten soll.“

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