(N)Olympia Hamburg 2024: Keine Spiele – Kein Volksentscheid

SONY DSCSagen wir es mal so: Ein großer Schritt in die richtige Richtung! Der Deutsche Olympische Sport Bund verabschiedet sich offenbar von der Absicht, sich für die Austragung der Spiele 2024 bewerben zu wollen. „Keine Spiele in Hamburg? Sportbund erwägt Verzicht auf deutsche Olympia-Bewerbung“ schreibt das Abendblatt. Dabei stützt sich das Blatt auch auf den Hamburger Sportbund.

Damit wäre nun wohl beerdigt, was bereits vor einigen Wochen zu Grabe getragen wurde. Spätestens als klar wurde, dass die Fußball-Europameisterschaft 2024 wohl nach Deutschland kommen würde, war klar, dass es mit Olympia im gleichen Jahr für Hamburg und Berlin nichts mehr werden könnte.

Das Abendblatt berichtet: „Wir neigen dazu, das Thema bei der Mitgliederversammlung in Dresden ausführlich zu diskutieren, aber auch dort noch keine abschließende Entscheidung zu fällen. Wir wollen ganz einfach die Ergebnisse der Agenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) einbeziehen“, sagt DOSB-Präsident Alfons Hörmann, 54.“

Das bedeutet, dass bestenfalls im Frühjahr 2015 mit einer Entscheidung des DOSB zu rechnen wäre, wahrscheinlich sogar noch später. Die Folge müsste allen Beteiligten klar sein: Volksbefragungen in Hamburg und Berlin sind damit für den Zeitraum April/Mai 2015 definitiv erledigt, jedenfalls wenn die Akteure von Handelskammer und SPD-Senat bei ihren bisherigen Zusagen bleiben.

Es ist eine unglaubliche Peinlichkeit, die da von Hamburger Initiatoren und dem DOSB da veranstaltet wird und eigentlich müsste man danach fragen, wie groß der Realitätsverlust in den vergangenen Monaten eigentlich war – oder ist?

Die Klatsche, die die Olympia-Bewerbung von München im Herbst letzten Jahres gleich in vier Landkreisen von den BürgerInnen erhalten hatte, war derartig eindeutig, dass sich erneute Bewerbungs-Spiele mindestens kurzfristig kompett erübrigt hätten.

Doch in völliger Ignoranz trieb vor allem die Handelskammer Hamburg ein Bewerbungsverfahren für Olympische Spiele in Hamburg voran. In seiner Neujahrsrede forderte Präses Fritz Horst Melsheimer den Bürgermeister auf, ein Bewerbungsverfahren in Gang zu setzten – und der SPD-Senat tat ihm den gefallen. Müsste man jetzt eigentlich nach Konsequenzen fragen?

Die Frage drängt sich auf, denn es ist nun – wenn man so will – die dritte große Schlappe für die Handelskammer Hamburg: Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“? Verloren. Musical-Seilbahn? Verloren. Olympia-Bewerbung 2024? Verloren.

Aber auch was sich der DOSB bislang geleistet hat, ist kaum fassbar und schreit mindestens nach einem intensiven Coaching für die Freunde um Hoermann und auch diesem Generaldirektor Michael Vesper. Waren die im Schockzustand nach der Entscheidung in Bayern? Das Nein zu München hat quer durch alle Bevökerungsschichten doch eines gezeigt: Das massive Mißtrauen gegen das IOC und die Riege der Funktionäre und SchönrednerInnen.

Die Gründe, warum sich Olympische Spiele derzeit zumindest in aufgeklärten Gesellschaften so schlecht verkaufen lassen, sind vielfältig. Vor allem liegt es daran, dass der Sport eben vor allem verkauft wird. Das IOC ist mit seiner Mischung aus Filz und  Vetternwirtschaft zwischen Politik und Konzeren in ganzer Linie unglaubwürdig, wenn es um die olympische Idee geht. Es ist nicht nur der Gigantismus, der sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet hat. Es ist das System, in dem Bereicherung für die Verbandsfunktionäre organisiert wird, während der Sport fast zur Nebensache verkommt. Wie das ausgerechnet von denen reformiert werden kann, die das alles angerichtet haben, ist kaum zu verstehen.

Doch auch die Hamburger Politik bzw. genauer die SPD sollte sich nun mal still in die Ecke setzen und nachdenken, was für einen Bockmist sie da unterstützt hat und welchen Interessen sie da eigenlicht blind gefolgt ist. Es ist höchste Zeit, dass nun die Konsquenzen gezogen und die Bewerbung Hamburgs eingestellt werden!

Falsch ist in jedem Fall das, was das Abendblatt auch berichtet, nämlich: „Die Senate in Berlin und Hamburg zeigen wenig Verständnis für die angekündigten Verzögerungen“. Hallo? War da nicht – zumindest in Hamburg – mal die Rede, dass Grundlage einer Bewerbung nur ein reformiertes IOC sein könnte? Man mag ja – zurecht – über das katastrophale Politik-Managment des DOSB verärgert sein, aber „kein Verständnis für die angekündigten Verzögerungen“? Hallo? Ich jedenfalls habe kein Verständnis für diejenigen, die trotz aller offenkundiger Schräglagen und offener Baustellen beim IOCund dem DOSB kein Verständnis für eine solche sinnreiche Verschiebung haben!

Wenn der DOSB jetzt darauf verweist, dass zunächst die Reformen im eigenen Verband und beim IOC abgewartet werden sollen, dann ist das eine richtige Entscheidung. Es stellt sich nur die Frage, warum das nicht spätestens nach der Entscheidung in Bayern so entschieden wurde.

Doch mit wirklicher Läuterung dürfte das nichts zu tun haben. Denn es sind offenkundig lediglich die schlechten Umfrageergebnisse, die den DOSB jetzt bewegen. Die Angst, erneut eine Bewerbung durch ein mehrfaches Nein aus der Bevölkerung zu kassieren ist der Antrieb für dieses Vorgehen. Das ist zwar richtig, aber a.) opportunistisch und b.) offenkundig nicht aus der eigenen Erkenntnis getrieben, dass es umfassende Reformen braucht. Glaubwürdigkeit beginnt – wenn man es mal pathetisch sagen darf – im Inneren.

Es ist grotesk, wenn der DOSB jetzt zwar die Spiele 2024 von der Tagesordnung nimmt, gleichzeitig aber nun Winterspiele ins Gespräch bringt, wie das Abendblatt berichtet: „Hörmann brachte in Willingen daher wieder Winterspiele in Deutschland ins Gespräch: „Wenn Berlin und Hamburg verzichten oder ihre Bewerbung verschieben, wird die Diskussion, ob es Sommerspiele 2028 oder doch Winterspiele 2026 in Deutschland geben soll, so sicher kommen wie das Amen in der Kirche.“ Dresden, Chemnitz, Altenberg, Oberwiesenthal, Klingenthal, Zittau und Weißwasser hatten dafür ihr gemeinsames Interesse bekundet, der DOSB jedoch Anfang April entschieden, diesen Vorstoß vorerst nicht weiterverfolgen zu wollen.“

Wie wäre es, lieber DOSB, wenn ihr euch jetzt einfach mal für klare Verhältnisse entscheidet und nicht gleich wieder die nächsten Säue durchs Dorf jagt?  Einfach mal die Reformprozeße beim IOC abwarten, diese dann öffentlich diskutieren und dann mal sehen, ob es da zu tragfähigen Neuerungen kommt?

Und Hamburg? Wäre es nicht irgendwie hanseatisch, diesem würdelosen Geschacher endlich ein herzliches „Tschüss“ mit auf den Weg zu geben?

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