Hamburg wird Weltmacht ohne Lederhosenimage: Der olympische Weg

vielgeld1„Wir müssen mehr für Olympia tun“, sagt CDU Spitzenkandidat Dietrich Wersich im HA. Warum? „Unsere Stadt würde durch Steigerung ihrer Bekanntheit wirtschaftlich auch deutlich stärker von Olympia profitieren als Berlin, die Hauptstadt. Dort fallen diese Effekte weit geringer aus. Mit Spielen in Hamburg könnten wir ein anderes Deutschland-Bild transportieren, das nicht geprägt ist vom Lederhosenimage. Hamburg steht für Weltoffenheit, Toleranz, Vertrauen, Verlässlichkeit, für hanseatische Werte. Diese würden wir in die Welt ausstrahlen.“ Ok, dann sollten wir reinhauen!

Damit der Plan aufgeht, will Wersich auch gleich etwas Geld in die Hand nehmen, nicht seins, aber dafür auch nur 250.000 Euro. Die sollen bis Mitte Februar 2015 mal schnell für Werbemaßnahmen verpulvert werden, damit die nächste Meinungsumfrage des Deutschen Olympischen Sport Bundes (DOSB), die Ende Februar durchgeführt werden soll, besser Ergebnisse bringt.

Der Fahrplan für Hamburgs neue Rolle in der Welt:

• Dezember 2014: Das IOC reformiert sich total und die Welt ist einfach nur noch olympisch großartig.

• Februar 2015: Der Deutsche Olympische Sport Bund (DOSB) führt – nach endlosen Werbeveranstaltungen und tollen Artikeln über die tollen Reformen – die nächste Umfrage über die Zustimmung der HamburgerInnen und BerlinerInnen zur Olympia-Bewerbung 2024 durch: Hamburger findet es einfach klasse.

• Februar 2015: Diese antiolympischen Nervensägen vom Hafenverband besetzen den Grassbrook und errichten ein Zeltcamp: Sie fordern Mietpreisbindung und Schutz gegen Gentrifikation. Der Senat greift durch.

• Februar 2015: Es gibt einen neuen Senat

• März 2015: Bei den Koalitionsverhandlungen stellt sich heraus, dass nichts gegen Olympische Spiele spricht: Das IOC ist total reformiert ist und grüne Spiele mit kurzen Wegen sind auch nicht schlimm. Schade nur, der Schlager-Move muss ausfallen.

• März 2015: Der DOSB entscheidet: Hamburg soll es sein!

• April 2015: Senat und Bürgerschaft legen los. Der Volksentscheid oder etwas in dieser Art wird an den Start geschoben. Handelskammer, der Hamburger Sportbund, der Tourismus-Verband, einige größere Konzerne und befreundete JournalistInnen finden Olympische Spiele in Hamburg grandios, weil sie total ökologisch, nachhaltig und für die Völkerverständigung und den Weltfrieden einfach ein Geschenk sind und der Sport sowieso was tolles ist. Jetzt haben wir aber auch wirklich genug über Kosten und so Gedöns geredet.

• Mai 2015: Die Idee, eine neue Seilbahn über den Hafen zu bauen und den neuen Olympia-Stadtteil mit St.Pauli zu verbinden, findet endlich Begeisterung. Vielleicht könnte man ja auch die Musical-Besucher damit befördern?

• Mai 2015: Der Senat und alle Fraktionen mit Ausnahme der Linken erinnern sich an eine im Frühjahr 2014 beschlossene Geschichte in der Bürgerschaft, wo es um Vor- und Nachteile einer Olympia-Bewerbung gehen sollte. Machbarkeitsstudie hatte man das Ding mal genannt. Das sollte der Senat total ergebnisoffen darstellen. Wie blöd, das hatten jetzt fast alle – mit Ausnahme der Linken?  – vergessen…

• August 2015: Größte Party in Hamburg since ever. WIR für OLYMPIA. Die Handelskammer lässt sich nicht lumpen und organisiert eine dreitätige Party-Meile auf dem Kiez mit Schlager-Move und allem drum und dran. Udo Lindenberg, Olaf Scholz und Fritz Horst Melsheimer singen gemeinsam mit Klaus Wowereit Reeperbahn….

• September 2015: DOSB, Senat, Handelskammer und alle zuvor genannten im Taumel: Erstmals stimmt eine Bevölkerung im Volksentscheid für Olympische Spiele.

4 Gedanken zu „Hamburg wird Weltmacht ohne Lederhosenimage: Der olympische Weg

  1. Also, ich bin für Olympia in Hamburg – wenn der DOSB mir pro Tag 100 Euro auf mein Konto überweist – als Sponsoring ist das doch preiswert – oder?

  2. Pingback: NOlympia-Presseschau für Dezember 2014 » Nolympia

  3. Ich bin für Olympia in Hamburg. Der Nutzen für die Stadt ist enorm und diesen kann uns niemand anderes in dieser Form geben.
    Der Bekanntheitsgrad wächst auf einen Schlag enorm, was sich mittel- bis langfristig wirtschaftlich voll auszahlen und die Kosten die uns durch Olympia entstehen voll decken wird.

    Ich finde die Stadt hat zu viel notorische „Nein-Sager“. Geld hier, Geld da, ohne Investition gibt es selten Gewinn.

    • Lieber Fabian Vert,
      tolle Mail von dir. Argmumente sind ja immer so blöde lästig und machen auch immer alles so kompliziert. Da ist es einfach so toll non.notorisch, eine Haltung herzumposauen und alles, was in der realen Welt so einen Funken von Ernsthaftigkeit hat, einfach mal durch Glaubensbekenntnisse hinwegzuwischen. Ich habe als Hamburger auch immer so einen Komplex, dass mich niemand in der weiten Welt kennt. Wie elendig unbekannt wir hier in Hamburg sind, sieht man ja auch daran, dass so wenige Touristen hier her finden. Das macht mich manchmal sogar so depressiv, dass ich überlege nach Berlin zu ziehen oder vielleicht gleich besser nach New York oder London. Daher habe ich mir auch immer die Sendung beim NRD angehört: Zwischen Hamburg und Haiti. Das hat mir immer aus meinem seelentief geholen und dann fühlte ich mich irgendwie in der Welt bekannter oder sagen wir mal verbundener. Da habe ich auch immer investiert und brav die Rundfunkgebühren bezahlt, damit ich diesen enormen Nutzen haben konnte, den mir sonst niemand geben konnte. Ich glaube bis heute zutiefst daran, dass sich diese Investion in die Rundfunkgebühren mittel- und langfristig wirtschaftlich voll ausgezahlt haben. Ach, wie komme ich jetzt nur auf all diesen Unsinn? Ich verstehe das alles auch manchmal nicht.
      Ein sportliches Jahr wünscht Dir.
      Dirk Seifert

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