Hamburg: Kurs Olympiabewerbung – Und der Widerstand?

Immer mehr nimmt Hamburg Kurs auf eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028. Der Hamburger Sport Bund hat jetzt einen neuen Chef gewählt – im Beisein hoher Politik-Prominenz aus Hamburg und vom Deutschen Sport Bund. Nun müssen die Reihen geschlossen werden, damit sich Hamburg auf den Weg für eine Olympiabewerbung machen könne, heißt es von dieser Versammlung.

Während sich von der Handelskammer über das Rathaus (mit Ausnahme der Linken), dem  Senat bis zum Sport-Bund ein großes Bündnis für eine solche Bewerbung bildet, ist es von Seiten eventueller GegnerInnen einer Olympiabbewerbung bislang recht ruhig. Ruhe vor dem Sturm? Hoffentlich!

Denn ohne jede Frage würden Olympische Spiele in Hamburg erhebliche Auswirkungen haben, die die vorhandenen Verdrängungs-Entwicklungen für finanziell nicht sonderlich betuchte Menschen in dieser Stadt weiter verstärken dürften.

Esso-Häuser, Elbphilarmonie, Gartenschau und  vieles mehr sind schon jetzt massive Hinweise auf einen Umbau der Stadt, die durch Olympia möglicherweise noch einmal beschleunigt werden könnte. Und mit Lampedusa steht auch die Frage im Raum: Offene Stadt? Für wen?

Die Marke Hamburg würde massiv aufgewertet – umso mehr muss es heißen: Not in our Name – Kommt in die Gänge – Recht auf Stadt!

Derzeit ist der Senat im Auftrag einer interfraktionellen Bürgerschaftsmehrheit damti befasst, eine „ergebnisoffene“ Untersuchung über Vor- und Nachteile sowie die damit verbundenen Kosten für Hamburg zu erstellen.  Sowas muss ein Senat natürlich tun, angesichts des zurecht katastrophalen Images des Weltkonzern Olympische Spiele, dessen diktierte Veranstaltungen von „demokratischen Ländern“ gar nicht mehr akzeptiert werden könnten.

Vor allem dürfte die Ablehnung einer Olympia-Bewerbung für München durch vier Landkreise in Bayern eine Mahnung an all diejenigen sein, die weiterhin auf großes Geschäfte hoffen. Da muss schon was passieren, wenn man Olympia durchsetzen will.

Und wir müssen gewarnt sein, wenn Politiker Werte, Lust und Sportsgeist betonen und die schnöden Wirtschaftsinteressen hintenan stellen.

Wie wichtig dieses Olympia für mächtige Interessen  in Hamburg sein könnte, haben auf bestimmte Weise jüngst Dohnany und von Beust ihren KundInnen deutlich gemacht:

Klar ist, dass sich vor allem große Teile der Hamburger Wirtschaft so oder so für eine Bewerbung stark machen. Denn denen ist ohnehin klar: Die Gewinne werden sie machen, die Schulden würden bei den SteuerzahlerInnen hängen bleiben. Das ist in den letzten Jahrzehnten nie anders gewesen. Darauf hatten die Linken jüngst in einer Studie hingewiesen.

In Schnelsen hat sich der kleine, neue SPD-Distrikt-Vorstand auch kritisch mit einer Olympiabewerbung befasst und einige Anforderungen und Fragen formuliert:

Diese Punkte dürften auch für die Hamburger Handelskammer noch von größerer Bedeutung werden, denn SPD-Distrikt-Vorstand Matthias Ederhof ist seit dem Frühjahr mit 11 FreundInnen auch im Plenum der Hamburger Handelskammer vertreten. Mit der Initiative „Die Kammer sind Wir“ hatten sich versprochen, die Kammer zu demokratisieren und mehr für die klein- und mittelständische Wirtschaft ausrichten zu wollen.

Viele der Aktiven, die jetzt Mitglieder im Plenum der HK sind, hatten zuvor den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ für die Rekommunalisierung der Energienetze von Vattenfall und E.on massiv unterstützt. Insofern dürfte es schon interessant sein, wie sich dieser Kreis, der durchaus Gemeinwohl-Interessen im Auge hat und dem Umweltschutz nicht egal ist, sich in der weiteren Debatte innerhalb der Handelskammer verhalten wird und welche Impulse von dieser Seite kommen werden.

 

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