ECE-Konzern lädt ein: „Hamburg diskutiert die Spiele“

Politik der kurzen Wege? Der ECE-Konzern lädt zur Reihe "Hamburg diskutiert die Spiele".

Politik der kurzen Wege? Der ECE-Konzern lädt zur Reihe „Hamburg diskutiert die Spiele“.

Es ist schon erstaunlich, welche wundersamen Blüten öffentlich-private Partnerschaften in der Freien und Hansestadt Hamburg so treiben. Das Hamburger Abendblatt startet eine zehnteilige Veranstaltungsreihe, bei der „Experten“ zum Thema Olympia referieren und Abendblatt-Leser/innen vorher ein paar Fragen einreichen dürfen: „Stellen Sie uns Ihre Fragen zu Olympia“, appelliert das Abendblatt, verschwiegen wird, dass nicht das Abendblatt, sondern der ECE-Konzern die Reihe organisiert und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bezahlt.

So verschickt der ECE-Projektmanager Christoph Wulf die Einladungen und steht „für Rückfragen und Details gerne zur Verfügung“. Diese wichtige Information wird leider in der Ankündigung im Abendblatt nicht mitgeliefert und auch die Vertreter_innen der Stadt scheinen generell kein Problem zu haben mit einer Vermischung von Wirtschaftslobbyismus und Informationsveranstaltung.

Die erste Veranstaltung dreht sich ums Thema „Stadtentwicklung“. Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter gibt den Hauptinput. Gleich gefolgt von Alexander Otto, der im Abendblatt als neutraler „Experte“ und nicht als Sponsor und Nutznießer von Olympia eingeführt wird: „,Die HafenCity ist 2025 fertig. Der Sprung über die Elbe lässt aber weiter auf sich warten‘, sagt Alexander Otto (ECE), der ebenfalls an der Runde teilnehmen wird. ,Mit dem Katalysator Olympia könnte er bis dahin gelingen, sogar bis in Hamburgs Osten.'“

Ein weiterer Blick auf die Liste der geladenen „Experten“ zum Thema Stadtentwicklung zeigt, dass hier mehr als die Hälfte der Mitdiskutant_innen direkt von den Olympischen Spielen in Hamburg ökonomisch profitieren würden ein Großteil von ihnen schon jetzt daran verdient:

Sportökonom Wolfgang Maenning (Professor für Wirtschaftswissenschaften Uni Hamburg), der sich gerne mal ein wenig olympiakritisch gibt, aber stets als Gutachter für die Olympia-Bewerbung Berlin 2000, Leipzig 2012 und München 2018 mitverdient. Katja Kraus (Geschäftsführung Jung von Matt/Sports), die Teil des „Feuer und Flamme-Agenturteam“ ist, welches für die Olympia-PR engagiert wurde; der Immobilienunternehmer Dieter Becken (Inhaber Becken Holding); der Bauunternehmer Rainer Eichholz (Geschäftsführer Zech Group); der Immobilienwertschöfer Thorsten Testorp (Geschäftsführender Gesellschafter B&L Gruppe) und der Olympia-Masterplanentwickler Marc Ziemons (Assoziierter Partner gmp Architekten) sowie Professor Albert Speer (Geschäftsführender Gesellschafter AS&P), dessen Architekturbüro mit der Er­stel­lung der Be­wer­bungs­do­ku­men­te und der Ko­or­di­nie­rung der Pla­nun­gen be­auf­tragt ist. All diese „Experten“ werden am 6.8. ihr Wissen weiter geben. Brot und Spiele eben: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing…

„Hamburg diskutiert die Spiele“, 6. August, 17-19 Uhr, Veranstaltungsort, Hafencity Universität (Holcim Auditorium), Überseeallee 16, 20457 Hamburg, eine Kooperationsveranstaltung des ECE-Konzerns mit dem Hamburger Abendblatt und der Hansestadt Hamburg.

4 Gedanken zu “ECE-Konzern lädt ein: „Hamburg diskutiert die Spiele“

  1. Pingback: NOlympia-Presseschau für August 2015 » Nolympia

  2. Liebe Frau Vrenegor,

    es ist wichtig, dass ein so großes Ereignis wie Olympische und Paralympische Spiele intensiv und auch kontrovers diskutiert wird. Vor diesem Hintergrund erfüllt (N)Olympia eine wichtige Funktion. Aber auch (N)Olympia sollte in der Debatte „fair spielen“. Ihre Ausführungen zum Beitrag „ECE lädt ein“ stimmen leider in mehreren Punkten nicht oder sind unzureichend:

    1. Nicht die ECE und auch nicht die Stadt Hamburg, sondern die Olympia-Initiative „Feuer & Flamme für Hamburg“ ist Veranstalter der Diskussionsreihe „2024 – Hamburg diskutiert die Spiele“. Die ECE ist einer von mehreren Unterstützern der Initiative. Die Initiative organisiert vielfältige Veranstaltungen und Aktionen im Kontext von Olympia. Das Hamburger Abendblatt und Hamburg 1 berichten umfassend von den Veranstaltungen „2024 – Hamburg diskutiert die Spiele“ und ermöglichen, dass Bürgerinnen und Bürger im Vorhinein Fragen einreichen oder sich bei TV-Sendungen via Social Media beteiligen können.

    2. Die ECE hat öffentlich erklärt, sich nicht um Aufträge im direkten Kontext von Olympia zu bewerben.

    3. Alexander Otto und ich habe die Einladung im Namen der Olympia-Intiative verschickt. Ich unterstütze die Arbeit der Initiative, da diese über kein eigenes hauptamtliches Personal verfügt – ähnlich wie wohl (N)Olympia.

    4. Leider verschweigen Sie, dass auch Vertreter von (N)Olympia zu der o. g. Veranstaltung eingeladen waren. Eine Rückmeldung ist bislang ausgeblieben. Auch Ihre Meinung hätte sehr interessiert, denn Kritik ist wichtig. Aber vielleicht ergibt sich ja bei einer der nächsten Veranstaltungen die Gelegenheit zum direkten Dialog, dem Sie sich ja sicher gern stellen werden.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Christoph Wulf

    • Lieber Herr Wulf,

      vielen Dank für Ihren Kommentar, auf den ich gern direkt Bezug nehme.

      1. Sie haben mich zur ersten Veranstaltung eingeladen mit Ihrer Firmenadresse und in folgendem Wortlaut: „Im Namen Alexander Ottos, ECE-Geschäftsführer und Olympia-Botschafter, lade ich Sie herzlich zur Teilnahme an obiger Veranstaltung ein!“ Weitere Erläuterungen zu den Veranstaltern der Reihe fehlen in der Einladung und so gehe ich vom Gastgeber Alexander Otto aus.

      2. Wo hat sich der ECE-Konzern offiziell geäußert, dass er sich nicht um Aufträge im direkten Kontext der Olympischen Spiele bewerben will? Über eine entsprechende Quelle würde ich mich freuen. Zudem fehlt dann noch die Zusage, dass der Konzern sich auch nicht um Aufträge im indirekten Kontext der Spiele bewerben will, z.B. im Hotel- & Wohnungsbau oder bei weiteren Olympia-Infrastrukturprojekten außerhalb vom Kleinen Grasbrook.
      Die Antworten von Alexander Otto im FAZ-Interview vom 18.3.2015 sind in diesem Punkt äußerst ausweichend. Er habe am Kleinen Grasbrook „kein persönliches Interesse“ und wolle vor allem das Vergabeverfahren nicht gefährden. http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/olympia-in-hamburg-fuer-milliardaer-otto-herzensangelegenheit-13489347.html

      Ist es die offizielle ECE-Konzernlinie, insgesamt nicht an Olympischen Spielen in der Hansestadt verdienen zu wollen, oder die persönliche Einschätzung von Alexander Otto?

      3. Es ist schön, dass Sie sich so für Olympische Spiele engagieren. Findet Ihr Engagement in der Arbeitszeit statt oder – wie bei den Aktiven von NOlympia Hamburg – in der Freizeit und warum arbeiten Sie ehrenamtlich mit der ECE-Firmenadresse?

      4. Es stimmt, dass ich zur ersten Veranstaltung geladen war – neben vielen anderen „Experten“ (die ich in meinem Blogartikel genauer unter die Lupe nehme). Bitte haben Sie Verständnis, dass ich generell nicht an Lobbyveranstaltungen teilnehme. Im Sinne einer demokratischen Diskussionskultur lege ich Wert auf die Offenlegung von ökonomischen Interessen in politischen Debatten. Dies gerade, wenn man wirklich auf Augenhöhe über das Pro und Contra von Olympischen Spielen in Hamburg diskutieren möchte.

      Mit freundlichen Grüßen,

      Nicole Vrenegor

  3. Über die die Gründung der Pro-Olympia Initiative wird das Sponsoring durch Großunternehmen, die zumindest indirekt von Olympia profitieren würden kaum noch nachvollziehbar. Bekannt ist zumindest, dass Alexander Otto, der nicht nur sportsbegeistert ist sondern eben auch Chef von ECE und damit diversen Hamburger Einkaufspassagen ist, eine Großspende für die Olympiabewerbung überwiesen hat. Und auch bekannt ist, dass ECE in der HafenCity aktuell einen 70 Meter Büroturm und daneben ein Wohn- und Geschäftshaus baut mit Blick auf den Kleinen Grasbrook. Allein hier würde ECE zumindest indirekt von einem Olympiapark in Sichtweite profitieren.

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