Die Olympia-Kosten – jetzt wird gerechnet!

Was kostet Olympia? Jetzt wird es konkret.

Was kostet Olympia? Jetzt wird es konkret.


Bisher hieß es immer, zu den Kosten, wie teuer die Olympischen Spiele in der Hansestadt werden, können wir keine seriösen Angaben machen. Diese Senatslinie lässt sich wohl kaum bis zum Referendum im September durchhalten. Jetzt heißt es also Butter bei die Fische: Was kostet uns der Spaß? Ein Finanzbericht soll bis Sommer vorliegen, verspricht der Senat in spe. Bisher kalkulierte der alleinregierende SPD-Senat im Bewerbungskonzept für Olympia für den Neubau und die Sanierung von Sportstätten Kosten von 1,38 Milliarden Euro. „Inklusive Planungs- und Kostenrisiken sowie Preissteigerungen bis 2024 oder 2028 wird von 2,09 oder 2,17 Milliarden Euro ausgegangen“, heißt es nun bereits.

Die MOPO bringt die Zahl von 6,5 Milliarden Euro ins Spiel: „Schon jetzt kursiert die Summe von 6,5 Milliarden Euro für die Realisierung der Wettkampfstätten, für das olympische Dorf, für die Durchführung der Spiele und die Sicherheit.“ Interessant an dieser neuen Zahl ist die Tatsache, dass hier nicht alle anfallenden Kosten auftauchen und jetzt schon die notwendigen Investitionskosten rausgerechnet werden.

Zum Hintergrund: Gerechnet wird bei Olympischen Spielen immer mit 3 Budgets. Hier müssen wir als BürgerInnen sehr aufmerksam bleiben, weil durch das Verschieben der Budgets von einer Kategorie in die andere gerne Olympische Kosten kaschiert werden. Die hier mit 6,5 Milliarden Euro genannten Kosten setzen sich zusammen aus den OCOG-Kosten (Durchführungskosten, u.a. Technologie, Verwaltung, Transport, Personal). Hier bezusschusst das IOC und meistens steht dort am Ende ein Plus, damit man die Spiele in der Öffentlichkeit als finanziell erfolgreich verkaufen kann.

Hinzu kommen die direkten NON-OCOG-Kosten, das sind die anfallenden Baukosten, die der Austragungsort, das Land oder private Investor/innen haben, um u.a. die Stadien, Wettkampfstätten, das Olympische Dorf und das Medienzentrum zu errichten. Ok, gehen wir mal hier optimistischer Weise von 6,5 Milliarden Euro aus. (Ich bin der festen Überzeugung, dass die Wettkampfstätten & co. dafür nicht zu bauen sind, weil Hamburg über kein einziges olympiataugliches Stadion verfügt).

Hierzu kommt nun das dritte Budget: die indirekten NON-OCOG-Kosten, was in Hamburg einen wesentlichen Teil der Gesamt-Kosten ausmachen dürfte. Hierunter fallen die gesamte Verkehrsinfrastruktur, aber auch private Kosten wie Verbesserungen im Hotelsektor oder andere Investitionen zur Vorbereitung der Spiele. Um für Olympia Investoren anzulocken, muss hier auch einberechnet werden, welche Privatisierungen die Stadt im Zuge von Olympia durchführen müsste. Wie viel Geld bekommt die Stadt beispielsweise für die Flächen am Kleinen Grasbrook oder werden wie bei der Hafencity hier Investorengeschenke gemacht? Macht es überhaupt Sinn, diese städtischen Fläche zu verscherbeln? Alles Fragen, die noch zu klären wären. Wer haftet, wenn – wie in London – Investoren kurzfristig abspringen?

* Einen Batzen wird uns die Umsiedelung der Firmen kosten. Die Kosten für die Verlagerung der Hafenfirmen vom Kleinen Grasbrook nach – ja wohin? Hier hatte die Hafenwirtschaft 5-7 Milliarden Euro genannt und der SPD-Senat hatte im Vorfeld eine „Einigung“ vereinbart, über die Kosten wir bisher nicht informiert wurden. Gehen wir mal hier von der „Untergrenze“ von 5 Milliarden Euro aus.

* Die Kosten für die „Herrichtung und die Erschließung des Kleinen Grasbrooks“ generell; Siehe hier die Studie der Grünen von 2009, die von 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro ausgeht;

* Was generell fehlt, sind die Kosten für die gesamte Infrastruktur:
– Muss der Hamburger Flughafen für Olympische Spiele neu gebaut werden? Oder konkreter gefragt: Was kostet es, den Hamburger Flughafen olympiatauglich zu machen;
– Welche Straßen müssen erweitert, verlegt und neu gebaut werden? Welche U-S-Bahnen, etc.?
– Was kosten die Infrastrukturmaßnahmen rund um die 35 olympischen Sportstätten (Straßenausbau, Erschließung öffentlicher Nahverkehr);
– Wie sieht es mit den Infrastrukturmaßnahmen zum Ausbau der Trainingsstätten aus;

Hier gibt es die Sportstätten-Liste der Stadt. Diese Liste müsste nun bis zum Sommer detailliert ergänzt werden um alle anfallenden Kosten.

Wir sind uns ziemlich sicher, dass der Senat schon lange dazu rechnet, wär ja auch unseriös, wenn nicht. Wir erinnern uns an einen anonymen Hinweis, der NOlympia Hamburg erreicht hatte, und der von Kosten von bis zu 18 Milliarden Euro ausgeht:
anonym-6mrdEuro

Von welcher Kostenspanne reden wir also wirklich, wenn wir von Olympischen Spielen in Hamburg sprechen? Gibt die Stadt dem IOC eine unbegrenzte Defizitgarantie, also einen Blankoschein, dafür dass sie nichts mit den Kosten zu tun haben werden und dennoch frei sind, alle möglichen Zuschläge und Luxusausführungen von der Stadt zu fordern (- was im Falle Oslos zur Rücknahme der Bewerbung geführt hatte-)?

Transparenz ist das Schlüsselwort. Hier hilft kein Getrickse und Geschiebe zwischen den Budgets, denn zum imaginierten Eröffnungstag der Olympischen Spiele 2024 in Hamburg müssen all diese offenen Rechnungen im Haushalt eingespeist sein und das bei angezogener Schuldenbremse!

Ein Gedanke zu „Die Olympia-Kosten – jetzt wird gerechnet!

  1. Pingback: NOlympia-Presseschau für März 2015 » Nolympia

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