Ich glotz TV und hör Radio – Was IOC und DOSB nicht schaffen: Doping Opfer ehren Whistleblowerin

Ein knappes Jahr nach der frohen Kunde, dass Hamburg sich nicht für die Olympischen Spiele 2024 bewirbt, ist die Orientierungslosigkeit beim Deutschen Olympischen Sport Bund (DOSB) größer denn je. Die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten haben beim Milliarden-Poker um die Senderechte verloren und werden nach derzeitigem Stand die Spiele von 2018 bis 2024 nicht mehr übertragen. Während die öff-rechtlichen Sender davon sprechen, dass sie „an die Schmerzgrenze gegangen“ wären, bin ich geneigt zu sagen: Nein, ihr wart schon weit drüber hinaus! Es gibt absolut keinen Grund, den Klüngel des IOC durch völlig abgedrehte Milliarden-Geschäfte zu unterstützen und damit der Illusion Vorschub zu leisen, als ginge es irgendwie noch um Sport. Auf die wachsende Kritik aus den Kreisen der aktiven Sportler fällt dem DOSB nicht mehr ein, als zu fordern: Kritik bitte nur intern! Was IOC und DOSB nicht hinbekommen: „Die russische Leichtathletin Julia Stepanowa wird für ihren Mut und ihre Konsequenz geehrt. Ihr wird der Preis der Doping-Opfer-Hilfe verliehen. Stepanowa deckte das systematische russische Doping auf. Die drastischen Konsequenzen seien ihr nicht klar gewesen, sagt die Leichtathletin heute.“ Weiterlesen

Wann gehen Vesper und Hoermann? Gold gegen den Deutschen Olympischen Sport Bund

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DOSB-Chef Hoermann beim NEIN der HamburgerInnen zur Olympia-Bewerbung von Hamburg.

Zwei Brüder irgendwie anders. Beide haben Gold-Medallien. Der eine pfeift auf die Nationalhymne (taz 15.8.2016), der andere kritisiert den vermeintlichen Reform-IOC-Deutschen Thomas Bach schon mal deutlich. „Diskus-Star Robert Harting hat mit Blick auf seine Attacken gegen IOC-Präsident Thomas Bach auch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) kritisiert und sich über mangelnde Rückendeckung beklagt.“ Schon vor den Spielen in Rio hatte er Bach und seinen Umgang mit dem russischen Staatsdoping kritisiert. Dafür musste er beim Ex-Grünen NRW-Minister und heutigem DOSB-Geschäftsführer Michael Vesper antreten.  Jetzt hat Robert Harting seine Kritik auf den DOSB erweitert: „Harting: DOSB-Verhalten „einfach nur peinlich““ heißt es hier. Und auch Sport1 berichtet über die klaren Worte des Diskus-Werfers, der aufgrund einer Verletzung bei den Spielen aufgeben musste – während sein Bruder Christoph die Goldmedaille holte und mit seinem Auftritt gegenüber Medien und bei der Medallien-Vergabe für Aufregung sorgte (Welt). Weiterlesen

Olympische Spiele zwischen Hamburg, Rio, Doping und einem orientierungslosen DOSB

Während die Miniatur-Olympioniken Marke Gebrüder Braun laut taz-Nord trotz der laufenden Skandale rund um den O-Sport weiter unverzagt im medialen Sommerloch von einer Hamburger erneuten Olympia-Bewerbung schwätzeln, berichtet der NDR mit Blick auf den hiesigen Bürgermeister: „Auf die Frage, ob er froh sei, dass die Hamburger Bürger Olympische Spiele in der Stadt abgelehnt hätten, sagte Scholz: „Die Hamburger sind als vernünftige Leute bekannt. Dies ist gut.““ Trotzdem hat der von der Handelskammer Hamburg uns eingebrockte Bewerbungs-Unsinn uns eine Menge Geld gekostet, berichtete jüngst die Welt: „Was in Hamburg unterm Strich bleibt: Am Ende hat alleine der Traum von Olympia etwa 12,6 Millionen Euro gekostet, die Stadt muss 80 Prozent davon alleine bezahlen, die Wirtschaft steuerte 2,4 Millionen Euro bei. Der Bund beteiligt sich nicht.“ Die Führungsriege beim Deutschen Olympischen Sport Bund um Hoermann und Vesper, die inzwischen zwei gescheiterte Olympia-Bewerbungen auf ihrem „Erfolgskonto“ abschreiben darf (München, Hamburg), hat derweil andere Sorgen als Sport: Denen ist nun ein weiterer wichtiger Sponsor abhanden gekommen. Auch hagelt es massive Kritik von allen Seiten, was die internen Strukturen angeht, weiß der Deutschlandfunk zu berichten. Würde man mich fragen: Personelle Konsequenzen stehen auch auf der ToDo-Liste.

Finger weg: „Heimliche Olympia-Kosten“

Vor den „heimlichen Kosten“ einer Olympia-Bewerbung  warnt jetzt Martin Müller, Professor für Geografie an der Universität Zürich. Er forscht zu Planung und Auswirkungen von Großveranstaltungen oder modern ausgedrückt: über Mega-Events. Ausführlich nimmt er in der Süddeutschen Zeitung zu diesem Thema Stellung. Der Professor warnt an vielen Punkten vor den Implikationen und Risiken, die systematisch in einer solchen Bewerbung unterschätzt werden. Stadtentwicklung und Investitionsprogramme sollte von dem Sportevent getrennt werden. Am besten einfach das Original in der SZ nachlesen!

Wenig olympisch: „Todes-Diesel-Zone“ – Dicke Luft in Hamburg – Landstrom in Los Angeles

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Dicke Luft: Hamburg kommt beim Landstrom kaum voran – Los Angeles weit vorn.

„Hamburg will von Los Angeles lernen.“ Nein, es geht nicht direkt um die Olympia-Bewerbung beider Städte. Es geht um bessere Luft: Wußten Sie, dass der Hafen von Los Angeles einen großen Teil der Schiffe mit Landstrom versorgt und damit die Luftschadstoffbelastung deutlich gesenkt hat? Von „Todes-Diesel-Zone“ und „filterlosen Kraftwerken“ war in Los Angeles die Rede. Was dort seit Jahren Stand der Dinge ist, klappt in Hamburg bis heute nicht: Der Landstromanschluss für den Kreuzfahrtterminal Altona musste grad erneut verschoben werden. Landstrom? Container- und Frachtschiffe, besonders aber die wachsende Zahl der Kreuzfahrtschiffe stoßen enorme.Mengen Schadstoffe in die Luft, viele davon auch krebserregend. Weiterlesen

Olympia Hamburg: Prinzipien – auf deutsch – HOST CITY CONTRACT 2024 – PRINCIPLES

olympia-kugelschreiberIm Transparenz-Portal der Hansestadt Hamburg sind nun die vom IOC verfassten „Prinzipien für Gastgeber-Vertrag 2024“ veröffentlicht. Allerdings nur knapp 42 Seiten. Eine Übersetzung der über 400 Seiten umfassenden Erläuterungen hat der Senat nicht beauftragt und muss daher in der englischen Fassung von den Hamburger WählerInnen, die Ende November in einem Referendum über ihre Haltung zur Olympia-Bewerbung abstimmen sollen, zur Kenntnis genommen werden. Diesen so genannten Host City Vertrag, der sich laut IOC aber noch verändern wird, muss die Hansestadt unterschreiben. Einer der wichtigsten Punkte: Damit würde die Hansestadt alle Kostenrisiken übernehmen.

Der Rechnungshof hatte jüngst in einer umfangreichen Stellungnahme die bisherigen Planungen schwer kritisiert und vor den Risiken gewarnt. Dabei wurde auch der Host-City-Vertrag kritisiert, der einseitig vom IOC vorgeschrieben würde und in dem u.a. die finanziellen Risiken einseitig auf die Stadt Hamburg verlagert werden. Darüber debattierte jüngst auch der Sportausschuss der Bürgerschaft. In einer Pressemitteilung berichtet die Linken-Abgeordnete Heike Sudmann über diese Sitzung und schreibt:

„Erfolglos hat der Senat im Sportausschuss am späten Freitagabend erneut versucht, die Risiken für Hamburg durch Olympia und die Kritik des Rechnungshofs daran kleinzureden. So bezeichnete er die im Gastgeberstadtvertrag äußerst ungleich verteilten und vom Rechnungshof kritisierten Haftungsrisiken als „nicht unüblich“ – was der Vertreter des Rechnungshofs auf Nachfrage nicht beurteilen wollte. Allerdings erklärte dieser auf Anfrage der stadtentwicklungspolitischen Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Heike Sudmann, dass bei der Prüfung des vorliegenden Entwurfs des Gastgeberstadtvertrags für Olympia 2024 mit älteren Verträgen keine wesentlichen Abweichungen gefunden werden konnten. „Der Rechnungshof hat nochmal eindeutig bestätigt, dass der Vertrag, den Hamburg unterschreiben müsste, genauso ein Knebelvertrag ist wie die bisherigen Verträge“, sieht sich Sudmann bestätigt. „Wenn die Stadt diesen Vertrag unterschreibt, trägt sie allein die finanziellen Milliardenrisiken. Die von den Olympia-Befürwortern ständig ins Feld geführten IOC-Reformen und die angeblich reformierten Verträge sind nichts als heiße Luft.“

Staatsrat Krupp behauptete in der Sitzung zudem, dass Änderungen am Vertrag nach der Unterzeichnung nur im Einvernehmen zwischen IOC, Organisationskomitee und der Stadt Hamburg möglich seien. „Auf meine Nachfrage, ob er die entsprechenden Passagen aus den Vertragswerken zu Protokoll geben könne und ob er hier im Ausschuss eindeutig sagen könne, dass das IOC keine einseitigen Vertragsveränderungen vornehmen könne, schwieg er“, so Sudmann. „Der Senat führt Hamburg sehenden Auges in ein Milliardenrisiko, und auf Kritik fällt ihm nur eins ein: ausweichen, beschwichtigen, schönreden.““

Olympische Kosten: Zwischen Plan und Wirklichkeit – Kostensteigerungen der Spiele von 1960 – 2012

Der Hamburger Senat hat seinen Finanzbericht zu den Olympischen Spielen vorgelegt und schätzt die Kosten auf 11,2 Mrd. (öffentlicher Teil) und weiteren 3,6 Mrd. (private Investoren). Eine Studie der University of Oxford untersuchte im Juni 2012 die Kostenentwicklungen Olympischer Spiele zwischen 1960 und 2012 und kam zu dem Ergebnis: Noch bei allen Spielen gab es von den ersten Planungen bis zu Realisierung teilweise gigantische Kostensteigerungen. Die Studie steht hier zum download bereit (PDF).

Olympia-Bewerbung: Los Angeles kann es! Hamburg nicht! Olympia-Kosten benannt

1200px-Homemade_cheeseburgerLos Angeles ist noch nicht mal offizieller US-Kandidat für die Spiele und hatte nach der Absage von Boston nur wenig Zeit: Jetzt aber legt die Stadt einen umfangreichen Finanzplan für die Olympia-Bewerbung 2024 vor. Das wirft mit Blick auf Hamburg durchaus die Frage auf: Warum geht das dort und nicht hier? Auch wenn in dem Zahlenpaket von Los Angeles viele Kostenpunkte – z.B. die Sicherheit – fehlen. Demnach soll das LA-Paket 4,1 Mrd. US-Dollar kosten, davon 1,7 Mrd. Dollar von privaten Investoren. Auch das ein Betrag, der für die Olympia-Bewerbung aus Kreisen der hiesigen Wirtschaft, die offiziell Feuer und Flamme ist, sicher nicht kommen wird. Weiterlesen

Olympia: Voreilige Trophäen, wachsende Konflikte in Rio und das Doping

GeschenkideenDieses Olympia ist eine Flut von Themen und man weiß manchmal gar nicht, dass alles zu kommentieren, zu berichten oder wie auch immer. Irgendwie gibt es auch komische Gleichzeitigkeiten, wie die Meldungen bei einem aufschlagen. Z.B. heute: Da möchte man amüsiert den Kopf schütteln, wenn Olaf Scholz schon mal von Sport-Bild eine „Olympia-Trophäe“ für die Hamburg-Bewerbung überreicht bekommt. Und schon in der nächsten Mail steht ein Hinweis auf einen Artikel aus dem Tagesspiegel, der einen ganz anderen Blick auf die Wirklichkeit und Olympia bringt: „Ein Jahr vor Olympia – In Rio wird wieder geschossen“. Und wie kann man das anders ertragen als gedoped? Bei der Leichtathletik – wo es massive Vorwürfe gibt – reagieren laut Deutschlandfunk Offizielle mit dem Hinweis: „Das ist Hysterie“, also das mit den Drogen und dem Sport. Diese Welt ist einfach kurios.
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Olympischer Drogenhandel, drunter und drüber und ein Ratschlag

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Hamburger – Total olympisch, auch wenn es drunter und drüber geht und wohl viel zu teuer wird: „Homemade cheeseburger“ von Thogru

Eigentlich wollte ich jetzt grad mal über den olympischen Drogenhandel, über den die ARD vor wenigen Tagen in einer umfassenden Dokumentation berichtet hat (Deutschlandfunk hier), schreiben. Und darüber, warum IOC und ähnlich unglaublich wichtige Funktionäre bei den Zollkontrollen am Hamburger Flughafen künftig von lästigen Beamten verschont bleiben wollen (aber gut: Hamburg denkt ja nur). Auch eine Gegenrede zu dem neuen Minderwertigkeitskomplex einiger hiesiger PolitikerInnen und MedienvertreterInnen, deren Selbstbewußtsein irgendwie nicht darüber hinweg kommt, dass es noch ein paar Menschen auf dieser Welt gibt, die zwar Hamburger, aber Hamburg aus unerfindlichen Gründen noch nicht kennen, hatte ich schon vorgedacht. Weiterlesen