Goodbye Olympia! Nachbetrachtung von NOlympia Hamburg

HamburgsZukunft ohne IOC macht nicht nur befreite Olympiamaskottchen froh...

Hamburgs Zukunft ohne IOC macht nicht nur befreite Olympiamaskottchen* froh…


Nachdem sich die ersten Post-Referendums-Wogen geglättet haben, beginnt nun die Zeit der Nach- und auch Vorbetrachungen. Was sind die Gründe, warum sich eine Mehrheit der Hamburger/innen gegen Olympische Spiele ausgesprochen haben, welches Modell von Stadtentwicklung wurde hier abgewählt und wie kann demgegenüber eine andere Stadt und Stadtplanung aussehen? NOlympia Hamburg zieht in dem Text Goodbye Olympia!Hello Besseres Leben! Bilanz und skizziert die Chancen, die sich für Hamburg ohne das Megaevent ergeben: „Hamburg ist die siebte Stadt in zwei Jahren, die sich gegen Olympia entscheidet. Damit ist die Zeit von olympischen Spielen in ihrer jetzigen Form vorbei. Es kann auch keine Stadtplanung von oben mehr geben, in der scheinbar fertige Konzepte nur noch bejubelt werden dürfen. Wir brauchen stattdessen eine Vision einer sozialen Stadt, mit Wohnraum und guten Lebensbedingungen für Alle, ohne Ausgrenzung und Diskriminierung. Goodbye Megaevents, hallo besseres Leben in der Stadt von Morgen!“ In dem Sinne: The Future is unwritten…

Hier den kompletten Text von NOlympia Hamburg lesen. Und hier ist nachlesbar, worüber sich die *Olympia-Maskottchen freuen.

Alles richtig gemacht und gescheitert – Soziale Motive des Neins zu Olympia

20150731_wer-hat-die-machtSie haben alles richtig gemacht – und doch verloren. Aber das lag an anderen. So in etwa ist eine Woche nach dem Olympia-Referendum im wesentlichen das Fazit derjenigen, die Olympische Spiele nach Hamburg holen wollten. In Hamburg suchen FDP und CDU die Schuld bei Bürgermeister Scholz und dem rot-grünen Senat. Der DOSB verweist auf seiner ehemals als Jubelfeier geplanten Tagung am Samstag in Hannover vor allem (Deutschlandfunk) auf die FIFA und den DFB. Ansonsten aber, so der DLF: „Selbstkritik übte er bei der Mitgliederversammlung in Hannover kaum“. Dass sich viele Menschen möglicherweise einfach sorgen machten, dass Olympia in Hamburg die Mieten und die Stadt teurer gemacht hätte, taucht in den Betrachtungen nirgends auf. Weiterlesen

Nach dem Olympia-Aus: Hamburger Sportchef beschimpft WählerInnen als uninformierte, irrationale Bauch-Bürger

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Hamburgs Sportchef Mantell (SPD, rechts) beschimpft nach dem Nein zur Olympia-Bewerbung die WählerInnen und stellt direkte Demokratie in Frage.

Wenn Demokratie nicht zu den gewünschten Ergebnissen führt, dann lässt man die besser sein. Etwa so und nur wenig zugespitzt könnte man die Reaktion des Hamburger Sportbund-Chefs Jürgen Mantell (SPD) im Abendblatt auf das Nein der HamburgerInnen zur Olympia-Bewerbung zusammen fassen. Sportlich geht anders, möchte man da sagen. Doch Mantell folgt einer Argumentation auch aus der Handelskammer. Bereits in seiner Neujahrsrede zu 2014 warnte der HK-Chef davor, dass Volksbefragungen das Parlament und den Senat entmachten. Ganz im Sinne der HK reagiert auch der Chefredakteur der Olympia-Werbe-Tageszeitung Abendblatt: „Jetzt stellt sich die Frage, welche Rolle der Senat und die repräsentative Demokratie bei den wichtigen Entscheidungen noch spielen.“ Da muss man den Bürgermeister Scholz loben. „Wer für direkte Demokratie ist, muss auch mit der möglichen Konsequenz leben, dass ein Ergebnis zustande kommt, das man sich nicht gewünscht hat.“ Er unterstreicht auch: „Ich glaube, dass die Deutschen mutiger sind, als dies gemeinhin behauptet wird. Ich will da optimistisch bleiben.“ (ebenfalls Abendblatt) Weiterlesen

In eigener Sache: Tausend Dank an alle Wählerinnen und Wähler!

Hamburg nach dem Referendum - so schön wie immer.

Hamburg nach dem Referendum – so schön wie davor.

Liebe Leserinnen und Leser von Fairspielen,

heute möchte ich mich in einem persönlichen Beitrag an Sie bzw. Euch wenden. Seit etwa 1,5 Jahren blogge ich hier zusammen mit meinem Kollegen Dirk Seifert zu Hamburgs Olympiabewerbung. Viele Artikel haben wir geschrieben, unzählige Dokumente, Verträge und Olympiapläne studiert und eine detaillierte und konkrete Kritik am Hamburger Konzept entwickelt. Dies ist auf fairspielen in aller Fülle nachzulesen. Mein Selbstverständnis als Bloggerin war und ist es, kritisch und sachlich zu informieren und mit diesen hier zur Verfügung gestellten Informationen und Einschätzungen möglichst viele Hamburgerinnen und Hamburger davon zu überzeugen, dass eine Olympiabewerbung für Hamburg mehr Risiken als Chancen bietet.

Fairspielen ist das Motto dieses Blogs. Bei aller verständlichen Enttäuschung, die jetzt sicherlich bei vielen Olympia-Befürwortenden da ist, lasst uns gemeinsam die Zukunft unserer Stadt gestalten: weltoffen, gerecht, inklusiv und attraktiv für Breiten- und Profisport – nur eben ohne die Olympischen Spiele des IOC.

Letztlich konnte der rot-grüne Senat die Mehrheit der Bevölkerung nicht von seinem Olympiakonzept überzeugen. Die Gründe für die Ablehnung waren sicherlich so vielfältig und divers, wie die Menschen, die abgestimmt haben. Mein herzlicher Dank geht an alle Bürgerinnen und Bürger, die beim Referendum ihre Stimme abgegeben haben. Ich finde es schön, in einer Stadt zu leben, die sich diskussionsfreudig und engagiert einer demokratischen Willensbildung gestellt hat. Unabhängig vom Ergebnis ist dies der größte Erfolg des Referendums – für alle Hamburgerinnen und Hamburger.

Mit freundlichen Grüßen,

Nicole Vrenegor

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Hier meine Dankesmail an die Unterstützer der Online Petition Nein zu Olympischen Spielen.

Olympia in Hamburg scheitert an sich selbst

verlierer

Schockiert: Bürgermeister Scholz (SPD), zweite Bürgermeisterin Fegebank (Grüne), DOSB-Chef Hoermann. Alles richtig gemacht mit großen Visionen und beim Hamburger Olympia-Referendum doch verloren. Was ist da passiert?

Die Eliten aus Politik, Unternehmen, Medien und den Spitzenverbänden des Sports sind fassungslos, geschockt. Die Riesen-Chance für Hamburg. Vertan durch die Mehrheit der HamburgerInnen. Sie hatten doch die Super-Argumente, die tollsten Konzepte, – und sind gescheitert. Sie hatten Millionen in die Kampagne Pro-Olympia gesteckt, es gab nur Vorteile für alle, und keine Nachteile. Und sind gescheitert. Die Gründe: Die Fifa, der DFB, die Flüchtlinge – an ihnen selbst, den Verantwortlichen der Kampagne hat es unter keinen Umständen gelegen. Alles am Hamburger Konzept und der Zusammenarbeit war bestens – nur die Weltlage war gegen sie?! Vielleicht aber waren da viele von sich selbst einfach nur zu besoffen? Vielleicht haben die Menschen in den Stadtteilen eine andere Vision von Hamburg, als die Eliten?

Keine Frage: Dieses Nein war so nicht zu erwarten. Aber umgekehrt war es auch kurios, dass sich in den Umfragen so viele HamburgerInnen angeblich eher für die Olympia-Bewerbung ausgesprochen hatten. Immerhin gab es die verheerenden Volksentscheide in Bayern gegen die Winterspiel-Bewerbung von München.

Es werden sicher viele Entscheidungsträger in Hamburger über die Rolle der Handelskammer nachdenken. Sie war es vor allem, die Hamburg zum Jahreswechsel 2014 massiv unter Druck setzte, das Abenteuer Olympia-Bewerbung erneut auf die Tagesordnung zu setzen. Wenige Wochen nach dem Desaster der Olympia-Bewerbung in Bayern und dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ verlange sie die Bewerbung. Der Fehler Nr.1 und 2: Wieso eigentlich hat die Handelskammer soviel Macht, dass der Senat gehorchte?

Ganz gründlich nachdenken sollte man auch beim Hamburger Abendblatt, Fehler Nr.3:  Das Blatt hat sich wie kein anderes Medium in Hamburg mit einer klaren Ansage des Chefredakteurs in den Dienst der Bewerbung gestellt und trotz aller Konflikte und erkennbarer Probleme, gegenüber dem Ziel – Olympia nach Hamburg zu holen – nie die erforderliche Distanz hinbekommen.

Der Leitartikel zum Wahlergebnis ist ohne einen Funken Selbstreflektion über die eigene Grenzüberschreitung, die das Abendblatt mit dieser Form der direkten Medien-Intervention gemacht hat. Der Blick des Kommentars Richtung Senat lenkt ab, von der eigenen Rolle! Das Abendblatt wollte die Spiele herbeischreiben, und hat versagt! Und es ist Ignoranz gegenüber der Wirklichkeit, wenn Chefredakteuer Haider schreibt: „Sagen wir es, wie es ist: Von außen betrachtet hat sich Deutschland mit Hamburg in einer Form blamiert, wie man es kaum für möglich gehalten hätte – auch wenn der Hauptgrund vermutlich die schwierige Weltlage gewesen ist.“ Erste Frage: Und wie ist es von innen betrachtet? Und zweitens: Nein, nicht Deutschland, sondern das Abendblatt und ein Teil des Journalismus hat sich blamiert!

Dann wären noch andere wirtschaftliche Interessierte wie Otto oder das Miniaturwunderland zu nennen. Überspringen wir das mal ….

und kommen wir zu den Grünen: Im Vorfeld der Bürgerschaftswahlen ein sehr taktisches „Ja, aber“. Danach, als Partner einer SPD im Senat eine zweite Bürgermeisterin, die auf der Präsentation der Hamburger Bewerbung beim DOSB mit einem klaren, eindeutigen und im Grunde bedingungslosem Votum für die Hamburger Bewerbung eintritt. Geradezu symbiotisch die Stellungnahmen der Fraktionsvorsitzenden von SPD und Grünen nach der Entscheidung für Hamburg statt Berlin als deutsche Bewerberstadt. Niemand möge vergessen, dass der DOSB-Geschäftsführer Michael Vesper mal gewichtiger Grüner Minister in NRW war!

Während ein rundes Drittel der Grünen skeptisch bleibt, was die Olympia-Bewerbung angeht, tragen die Spitzen der Grünen alle Entscheidungen mit. Vom fragwürdigen Referendum mit der Verfassungsänderung bis hin zu den Mängeln in der Informationslage zum Referendum. Auch das Nein der Jugendorganisation der Grünen wird galant mit Unterstützung der Medien weitgehend ignoriert. An – vielzuvielen Stellen – sind wir den „Pragmatismus“ der „neuen“ Grünen gewöhnt. Darf man Fragen: Hat das Scheitern personelle Konsequenzen? Ich denke: ja!

Anzunehmen ist, dass in Hamburg der Posten des Innen- und Sportsenators in den nächsten Wochen neu zu besetzen sein wird. Doch die SPD insgesamt muss sich fragen, wie es eigentlich weitergeht. Scholz hat seine zweite Bürgerbefragung in Hamburg verloren. Das lässt sich nicht einfach abtun mit einer „Weltlage“ oder äußeren Einflüssen. An der Seite von Vattenfall hat die SPD den Volksentscheid „Unser Hamburg – unser Netz“ um die Rekommunalisierung der Energienetze verloren. Jetzt die „Vision und Chance für Hamburg“ an der Seite der Handelskammmer, des Otto-Versands und anderer mit dem Olympia-Referendum. Das mag nicht opportun sein, aber: Der Bürgermeister hat ein echtes Problem.

Die nächsten Wochen werden viel Aufarbeitung bedeuten, was da gerade in Hamburg passiert ist. Das umso mehr, weil auch zahlreiche Medienvertreter bemerkt haben: Eine in der breite und mit vielen Organisationen aufgestellte NOlympia-Bewegung gab es in Hamburg nicht. Viele einzelne AktivistInnen, lose vernetzt, mit fast keinem Geld und nicht einmal als wirkliches Bündnis aufgestellt, hat argumentativ und inhaltlich orientiert gegen das Pro-Olympia-Bündnis gehalten. Die Fraktion der Linken war die einzige parlamentarische Kraft, die Nein zu Olympia gesagt hat. Spät haben der BUND Hamburg und einige andere Verbände ihr Nein zum Referendum eher vorsichtig und als Einzelstatement vorgetragen. Eine wirklich identifizierbare, schlagkräftige Bewegung war das sicher nicht. Eher Ausdruck einer „diffusen“ Gegenstimmung.

Aber: Schon das hat am Ende ausgereicht, die Olympia-Bewerbung zu Fall zu bringen. Für die große Politik muss das umso mehr Fragen aufwerfen. Was haben die da oben nicht verstanden?

 

 

Hafen und Arbeit: Olympia? Besser nicht!

BR-Info-OlympiaOlympia in Hamburg? Im Hafen findet das nur vordergründig Zustimmung. Nicht nur die betroffenen Unternehmen sind auf das Projekt nur offiziell gut zu sprechen. Eigentlich wären dort alle froh, ginge der Kelch an ihnen vorbei. Still und Leise sind auch die Bedenken unter den Beschäftigten im Hafen, wie das über Facebook lancierte „Betriebsrats-Info“ dezent deutlich macht. Stimmungsbilder, über die in Hamburger Medien leider eher nichts zu lesen ist.

Das hätte ich nicht besser sagen können – Nein zu Olympia

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Nein zu Olympia – Das hätte ich nicht besser sagen können. Foto: Andreas Laible

Praktisch ist das. Da spricht man einmal mit der DPA und nur wenig später wird das in ziemlich vielen Medien nachgedruckt. Was man so alles vor sich hin redet. Nicht so genial wie Thomas de Maizière neulich oder dieser absurde Friedrichs gerade eben. Aber immerhin soll ich Sätze zusammengebracht haben, die dpa so zusammenfasst: „Wenn es nach Dirk Seifert ginge, dürfte sich Hamburg nicht um Olympia bewerben. Zu teuer, zu korruptionsanfällig, zu unsozial, so das Urteil des NOlympia-Aktivisten“ heißt es z.B. bei der SHZ. Die Welt bringt das Interview in voller Länge hier. Weiterlesen

Unterschriften-Ziel errreicht: Volksinitiative Stop Olympia auf Kurs

StopOlympia-2Während am Sonntag das Referendum über die Olympia-Bewerbung zu Ende geht und ein eher knappes Ergebnis erwartet wird, teilt die Volksinitiative Stop Olympia mit, dass sie mit über 13.000 Unterschriften auch ihr Ziel erreicht hat. Am Montag wollen die Initiatoren die Liste an den Landeswahlleiter übergeben. Wenn es am Sonntag eine Mehrheit für die Bewerbung gäbe, würde die Volksinitiative nach den erst im Frühjahr geschaffenen Regeln des Referendums bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode 2020 ausgesetzt. Erst dann „erwacht“ diese Volksinitiative wieder und die Bürgerschaft muss sich dann in jedem Fall noch mal mit einem Nein zur Olympia-Bewerbung befassen.  Die PM dokumentieren wir gleich unten.

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Olympia, die Konzerne, Medien, Politik und das große Geschäft – Die Konflikte nach einem Ja beim Referendum gehen weiter

GeschenkideenDie Hamburger Medien und einige Marketingagenturen haben sich zusammen getan. Wirtschafts-Unternehmen sehen große Geschäfte, die Baubranche ist begeistert. Gemeinsam geben sie Millionen Euros dafür aus, damit die Botschaft jedeN erreicht: Olympia ist ein Wunder- und Zauberwerk für Hamburg: 100 Prozent Chancen – Null Risiken. Sogar der MoPo fällt auf, dass da getrickst werden könnte. Weiterlesen