Bewerbungskosten: Statt der Wirtschaft zahlen nun vor allem die Steuerzahler

Olympische Spiele als Lizenz zum Geldverbrennen?

Olympische Spiele als Lizenz zum Geldverbrennen?

Noch vor einem halben Jahr verkündete Hamburgs Innensenator Michael Neumann in einem Interview mit dem NDR, dass die Kosten für die Olympia-Bewerbung Hamburgs zum größten Teil von der Wirtschaft übernommen werden. Nun ist Hamburg beim Bund vorstellig geworden und hat 30 Millionen für die Bewerbung zugesichert bekommen, was etwa die Hälfte der Kosten ausmache. Die Bewerbungskosten werden aktuell also mit 50 bis 60 Millionen Euro veranschlagt. Ganz beiläufig wird hier ein Zuschlag von läppischen 10 Millionen angekündigt.

Nun folgt die vermeintlich gute Nachricht, mit der den Hamburger/innen die Spiele schmackhaft gemacht werden sollen: Der Bund beteiligt sich mit 30 Millionen an den Bewerbungskosten, was neu ist und für frühere Bewerbungen Leipzigs oder Münchens nicht galt. Die schlechte Nachricht: Auch das sind Kosten, die die Hamburger/innen über ihre Steuern zu zahlen haben, also kein Geschenk. Von den vollmundigen Versprechen der Handelskammer & Wirtschaft, sich mit 25 Millionen beteiligen zu wollen, hört man derzeit eher wenig. Die Süddeutsche Zeitung verweist darauf, dass die Wirtschaft schon in der Vergangenheit zwar stark Olympia promotet hat, sich aber an den Kosten nicht beteiligen wollte: „Bei Münchens 2018er-Bewerbung gab es kaum private Unternehmen, die sich engagierten, sondern vor allem Unternehmen der öffentlichen Hand.“ Unverständlich ist auch, warum der DOSB, obwohl er 51 Prozent der Betreibergesellschaft stellen soll, Null Euro der Kosten übernehmen will. Wunderbar ist es, wenn man selbst alles mit Mehrheit bestimmen kann und andere dafür zahlen sollen.

Interessant ist der Artikel in der Süddeutschen Zeitung nicht nur, weil er die Kosten der Bewerbung auflistet und wer diese zu übernehmen habe, sondern auch, weil hier die Schätzungen für die olympischen Gesamtkosten genannt werden: „Dazu [gemeint sind die Gesamtkosten] ist bisher noch nichts veröffentlicht worden. Es ist aber nach Schätzungen davon auszugehen, dass die Gesamtkosten für die Infrastruktur mit der Umwandlung des Kleinen Grasbrook im Zentrum einen zweistelligen Milliarden-Betrag ausmachen würde.“ Diese Schätzungen liegen nah bei den Zahlen, die wir auf diesem Blog seit langem prognostiziert haben. Zu den Schätzungen kommen nicht nur wir, sondern laut eines anonymen Hinweises geht anscheinend auch die Stadt von Ausrichtungskosten von 15-18 Milliarden Euro aus. Für den Fall, dass diese Zahl zu hoch gegriffen sein sollte, kann sich die Behörde gerne bei uns melden und wir veröffentlichen stattdessen exklusiv die detaillierte Olympia-Kostenaufstellung der Stadt (inklusive aller drei Budget-Felder).

2 Gedanken zu „Bewerbungskosten: Statt der Wirtschaft zahlen nun vor allem die Steuerzahler

  1. Pingback: NOlympia-Presseschau für Mai 2015 » Nolympia

  2. Moin Moin,
    schlimm das hier mit viel Propaganda gegen Olympia in Hamburg gehetzt wird, ohne das bereits konkrete Daten bereitstehen.

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