Bewerbungskosten: 25 Millionen aus der Wirtschaft? Bisher 0 Zusagen!

Schöne Arbeitsteilung: Der DOSB bestimmt, die Stadt blecht.

Schöne Arbeitsteilung: Der DOSB bestimmt, die Stadt blecht.

„Die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 soll die Stadt höchstens 15 Millionen Euro kosten“, so die vollmundige Ankündigung vom Sportsenator Michael Neumann im Sommer 2015. Auf mindestens 50 Millionen Euro werden sich die Bewerbungskosten belaufen, die Bundesregierung hatte erst 30 Millionen Euro zugesichert, aber nur 10 Millionen fest im Haushalt verankert (fairspielen berichtete). Wenn der Senat 15 Millionen zahlt und keinen Cent mehr, der Bund nach derzeitigem Stand 10 Millionen übernimmt, dann fehlen noch 25 Millionen Euro aus der Wirtschaft. Eine ordentliche Summe, die da zusammen kommen müsste, zumal die Bewerbungskosten ja jetzt anfallen.

Umso überraschender die Antwort des Senats auf die Kleine Anfrage (Drucksache 21/1969) von Heike Sudmann (DIE LINKE). Bisher gibt es noch keine Zusagen von Firmen, die sich an den Kosten beteiligen wollen. Auch hier setzt der rot-grüne Senat auf sein altbewährtes Prinzip Hoffnung: „Für den Fall, dass die Referenden zugunsten der Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 ausgehen, ist aufgrund der bisher geführten Gespräche nach Angaben der Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024 GmbH zeitnah mit ersten konkreten Sponsorenzusagen für eine Beteiligung an den Bewerbungskosten der Bewerbungsgesellschaft zu rechnen.“

Die einzige feste Zusage gibt es von der Hamburger Hochbahn, die die Bewerbung durch „ein Sponsoring (Finanz- und Sachleistungen) von bis zu 100.000 Euro in den Jahren 2016 und 2012016 und 2016“ unterstützt. Wir Hamburger/innen bekommen so über die HVV-Ticketpreise (nächste Fahrpreiserhöhung um 1,9 Prozent zu Januar 2016) einen Vorgeschmack darauf, wie der Senat in Zukunft in kleinen Dosen seine Olympiaträume finanzieren wird.

Apropos Geschmack. Ein Geschmäckle hat auch folgende Entscheidung, die gestern verkündet wurde. Ausgerechnet die DOSB-Agentur „Deutsche Sport Marketing (DSM)“ hat den Auftrag bekommen hat, die „Sponsorpartner“ zu suchen, die die besagten 25 Millionen aus der Wirtschaft übernehmen. „Die Deutsche Sport Marketing (DSM) hat den offiziellen Auftrag, die Bewerbung Hamburgs um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 zu vermarkten und Partner zu akquirieren“, so erklärte der DOSB in einer Pressemitteilung vom 30.9. Welche Vergütung bekommt die DSM dafür? Und wer entscheidet eigentlich über die Vergabe solche Aufträge? Entscheidet allein die Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024, in der der DOSB als Gesellschafter 51% des Stimmrechts innehat? Gibt es eine Kontrolle über die Budgetvergabe seitens der Bürgerschaft? Auch hier drängt sich der Verdacht auf, dass der Senat schon längst jede Handhabe in Bezug auf das Bewerbungsverfahren an den DOSB abgegeben hat.

Eins ist zumindest glasklar: Wer die Kosten zahlt, wenn Wirtschaft nicht zahlt: die Hansestadt Hamburg! Laut Gesellschaftervertrag haftet die Stadt für alle Finanzausfälle. Ein Blick nach München lohnt – dort ist es nicht gelungen, in größerem Ausmaß private Sponsoren dazu zu bringen, sich an den Bewerbungskosten zu beteiligen, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Aber Hamburg schafft das – mit „unabhängiger Expertise“ von außen (DSM) und mit Kopf in den Sand stecken von innen (Bürgerschaftsmehrheit).

AKTUELLE ERGÄNZUNG: Auf dem Transparenzportal befindet sich der Vertrag, der mit der DSM abgeschlossen wurde. Die DSM erhält eine Vergütung je nach Höhe der eingeworbenen Gelder zwischen 9,5-15,5 Prozent des Nettogewinns. Das sind bei den anvisierten 25 Millionen 3.875.000 Euro. Hier der Vertrag, den die Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024 mit einem Schwesterunternehmen von ihrem Mehrheitseigner abgeschlossen hat.

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